tests/23-07-18_ferrum
 

Ferrum WANDLA

18.07.2023 // Finn Corvin Gallowsky

Als ersten Testsong höre ich „Heroines“ vom Album Streams des dänischen Gitarristen Jakob Bro. Gemeinsam mit Bassist Thomas Morgan und Schlagzeuger Joey Baron ist das Trio komplett und spielt mit „Heroines“ einen ruhigen Titel, der von flächigem Hall und im Stereopanorama verteilten Becken getragen wird. Bass und Gitarre sind dabei eher nah beieinander positioniert und nicht, wie insbesondere auf älteren Jazz-Aufnahmen oft üblich, weit nach außen auf die Lautsprecher gemischt. Die Snare befindet sich ebenfalls mittig und die Becken sind wie erwähnt die einzigen Klangereignisse, die sich auf nahezu voller Stereobreite ausleben. Schon mit dem beigelegten Schaltnetzteil lässt der WANDLA meinen Brooklyn DAC+ im Regen stehen. Während ich den Brooklyn-Geräten immer eine Klangsignatur unterstelle, die über ein sonores Bassfundament mit gutem Punch bei präzis feiner Auflösung verfügt, spielt der WANDLA mit einem anderen Charakter. Er agiert bei mindestens gleicher Präzision leichtfüßiger, natürlicher und plastischer. Der Bassbereich scheint einen Hauch weniger betont und krachend, dafür ist er jedoch bis in den tiefsten Frequenzkeller kontrollierter und scheint auch tiefer herabzureichen. Besonders sticht die ungleich realistischere Abbildung der Snare heraus. Das feine Sirren der Snare-Spiralen auf der Unterseite der Trommel wirkt deutlich schärfer gezeichnet und lässt noch mehr feine Details erhaschen. Die Positionierung der Trommel im Raum wirkt außerdem freier und lässt sich noch ein Stück weiter hinten verorten. Die Becken gewinnen ebenfalls an Realismus. Die Stick-Attacks klingen minutiöser gezeichnet und wirken artikulierter. Das Ausschwingen der Becken ist gleichermaßen greifbarer und von einer inneren Ruhe gezeichnet. Mit dem Brooklyn DAC+ klingt das Ausschwingen mitunter gewissermaßen gehetzt. Bass und Gitarre werden vom WANDLA deutlicher voneinander abgehoben. Generell wirkt der Raumeindruck großzügiger. Der Reverb-Effekt der Gitarre wiederum wirkt stärker in Einklang mit dem Instrument. Mit dem Brooklyn DAC+ scheinen Instrument und Effekt weniger in einem Verhältnis zueinander zu stehen. Obwohl die Abstimmung des WANDLA linearer anmutet, ist er gleichzeitig eindeutig der musikalischere Wandler.

Der polnische Name SERCE (Herz) ist passend gewählt, denn ohne diese Platine funktioniert im WANDLA nichts
Der polnische Name SERCE (Herz) ist passend gewählt, denn ohne diese Platine funktioniert im WANDLA nichts

Im Direktvergleich zum Brooklyn vermisste ich beim WANDLA zum Beginn des Tests den Wordclock-Eingang und die Anzeige in Dezibel. Letzteres ist nichts anderes als eine persönliche Vorliebe und ändert natürlich rein gar nichts an der Performance des Wandlers. Ersteres sah ich vor dem Hörtest eher als technische Einschränkung an. Obwohl im Allgemeinen gilt, dass eine integrierte Clock aufgrund ihrer Nähe zu den übrigen Bauteilen oftmals besser agiert als eine externe Clock, profitiert die Audioqualität meines Brooklyn DAC+ in meinem Audiosetup durch die externe Clock des Mutec MC3+ zusätzlich zum reclocken des Signals selbst deutlich. Das Reclocking des USB-Signals, dessen Weitergabe über S/PDIF oder AES/EBU und die Taktung durch den Mutec ist an meinem Brooklyn DAC+ für mich sogar eine Grundvoraussetzung für den Musikgenuss. Ohne Mutec klingt der Brooklyn DAC+ für mich unvollständig. Deshalb teste ich am WANDLA natürlich auch, wie mir der USB-Anschluss gefällt, wenn er direkt mit meinem Silent Angel Munich M1T-Transport, ohne Umweg über den Reclocker, verbunden ist. Tatsächlich fallen die Unterschiede mit und ohne Reclocker am WANDLA deutlich geringer aus. Der Zuwachs an minimal mehr Plastizität und Raum rechtfertigt in dieser Konstellation nicht unbedingt den Preis des Mutecs. Ich denke, dies zeigt wie positiv das „Verwaltungs-Board“ SERCE sich auf die USB-Schnittstelle auswirkt, und beweist nochmals eindrücklich, wie sehr sich die eher kleine Firma auf Software versteht - und vor allem wie konsequent jedes Detail perfektioniert wurde. Je länger ich WANDLA zuhöre, desto stärker verblasst mein eingängliches Ressentiment. Clock-Anschluss hin oder her, WANDLA ist der bessere und vollkommenere Wandler, dafür allerdings nicht ganz so ein Multifunktionsgerät wie der Brooklyn DAC+. Und genau das macht WANDLA aus. Man konzentrierte sich auf die Kernfunktionen und legte das Gerät bestmöglich dafür aus.

Das vierpolige Kabel mit dem Weipu-Stecker verbindet den WANDLA mit einem HYPSOS im Ferrum Power Link
Das vierpolige Kabel mit dem Weipu-Stecker verbindet den WANDLA mit einem HYPSOS im Ferrum Power Link

Den Auftakt meiner Testreihe hat der WANDLA-Wandler mit Bravour bestanden. Natürlich bin ich neugierig, welche Verbesserungen das Hybridnetzteil Ferrum HYPSOS ihm noch entlocken kann. Dazu höre ich den Titeltrack des neusten Albums von GoGo Penguins „Everything Is Going To Be OK“. Der Song ist um ein spannendes Bass-Riff herumkonstruiert. Die zusätzlichen Instrumente betten das Bass-Riff dabei stark ein und tragen zum Gesamt-Melodiegefüge des Stücks bei. Mit dem HYPSOS hat der WANDLA das Geschehen deutlich besser im Griff. Der Bass wird weniger von den anderen Elementen des Stücks überlagert. Die Wiedergabe wirkt insgesamt energetischer, impulsiver, freier und unkomprimierter. Besonders ist dies auch an den Klavieranschlägen festzustellen. Interessanterweise gewinnen sie gleichzeitig sowohl an Rundheit als auch an Fokus. Eine ähnliche Tendenz ist auch bei Jan Garbareks „Brother Wind March“ vom Album Twelve Moons zu hören. Sämtliche Elemente der Komposition werden individuell mit mehr Nachdruck und Kontrolle herausgearbeitet. Sie erlauben sich dabei jeweils etwas mehr Plastizität und Ausdehnung im Raum. Die sich zu Beginn zum Saxophon gesellende Bass Drum offenbart die unterschiedlichen Anschlagstärken des Pedalschlegels auf dem Trommelfell deutlich nuancierter. Der folgende Synth-Sound scheint sich aus einer noch tieferen Schwärze herauszuschneiden. Die Becken-Impulse wirken etwas unerbittlicher, noch präziser gezeichnet. Wenn das repetitive Saxophonthema erstmalig von der Bass Line aufgebrochen wird, wirkt der Bass deutlich konturierter und der WANDLA scheint mit Leichtigkeit die Oberhand zu behalten, während er ohne HYPSOS die Zügel etwas lockern muss. Ich hatte ehrlich gesagt keine besonders große Verbesserung mit HYPSOS vermutet, da der WANLDA bereits mit dem einfachen Schaltnetzteil sehr überzeugend agierte. Hat man den Unterschied mit HYPSOS jedoch einmal gehört, gibt es keinen Weg zurück. Dennoch kann der WANDLA in meinen Augen zunächst durchaus guten Gewissens ohne HYPSOS erworben werden, wenn das Budget knapp ist. Seine überzeugenden Grundfähigkeiten weiß er auch ohne ein HYPSOS auszuspielen. Zur Erinnerung: Meinen eigenen DAC hat er auch ohne HYPSOS vernichtend geschlagen.


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