Hersteller / Vertrieb
EINSTEIN Audio Components GmbH
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Eigentlich hatte ich es mir schon längst abgewöhnt, meine Erwartungen an den Klang von Hifi-Komponenten aus deren Konstruktionsprinzip herzuleiten. Bei Plattenspielern mit Luftlager ist das aber ein wenig anders. Und deswegen liegt die Messlatte für den Air Force One reichlich hoch
Je länger ich mich mit Hifi, Musik und ihrer Konservierung beschäftige – und das sind teils einige Jährchen, teils auch schon Jahrzehnte –, um so weniger verbinde ich einen speziellen Sound mit Bauteilen, konstruktiven Besonderheiten oder Verfahren: Schnell, offen und extrem detailreich klingende Röhrenendstufen sind mir ebenso begegnet wie Transistorverstärker, die im Hochtonbereich leicht verrunden und von sich aus einen angenehm warmen Sound produzieren. Bei einigen Wandlern bringt Upsampling deutliche Verbesserungen, bei anderen nur Nachteile. Einige Schneideingenieure erzielen mit Kupferfolien beim DMM-Verfahren klangliche Höchstleistungen, anderen ist dies nur mit Lackfolien möglich. Bei Plattenspieler sieht das für mich jedoch anders aus: Den nachhaltigsten Eindruck hat bei mir allein schon aufgrund seiner Physis – über 300 Kilogramm netto plus etwa 200 Kilogramm für die Verpackung – der Continuum hinterlassen. Da ich ihn testete, als ich noch für ein Print-Magazin tätig war, können Sie leider ohne größeren Aufwand meine Schwärmerei darüber, wie wenig Artefakte er der Musik zufügte und wie nahe er klanglich einem Tonband kommt, nicht mal eben nachlesen. Leichter geht das beim Test des Bergmann Sleipner, den ich vor etwas mehr als einem Jahr an dieser Stelle vorstellte. Auch er drückte der Musik nicht den kleinsten eigenen Stempel auf und erschloss dem Hörer dadurch eine ungeheure Fülle von (Raum-)Informationen. Beide so beeindruckende Laufwerke besitzen ein Luftlager.
Ein solches zeichnet auch den Air Force One aus, wie auch schon sein beziehungsreicher Name vermuten lässt. Hier schwebt der Teller auf einer etwa 0,05 Millimeter hohen Luftschicht über einer Glasplatte, die auf der mittleren Lage des Sandwiches ruht, aus dem das Chassis besteht. Zwei Lagen aus etwas weicherem Aluminium A5052 umgeben eine Schicht Super-Duraluminium A7075, so dass eine „constrained-layer damping“-Struktur entsteht, die Resonanzen unterdrückt, die sich in einem homogenen Material ausbilden würden. Die Oberflächen wurden galvanisiert, um sie zu härten und so kratzunempfindlicher zu machen. Das Chassis allein bringt 43 Kilogramm auf die Waage. Doch zurück zum Lager: Radial wird der Teller von einer Achse aus hitzebehandelten Edelstahl in einem wartungsfreien, selbstschmierenden Lager geführt.
Und wenn man schon einen Kompressor für das Lager benötigt – der des Air Force One ist so still, dass er gut im Hörraum bleiben kann, man sollte ihn allerdings neben das Rack stellen, damit sich die leichten Vibrationen nicht auf die Audio-Komponenten übertragen –, ist es naheliegend, auch eine Vakuum-Ansaugung der Platte an den Teller zu realisieren. Die ist auf Kundenwunsch beim Air Force One lieferbar. Insgesamt hat man die Auswahl zwischen sechs Modellen, denn es sind drei unterschiedliche obere Tellereinsätze lieferbar, jeweils mit und ohne Plattenansaugung: Als neutralste Variante gilt die aus Super-Duraluminium, dem Material, aus dem auch die mittlere Schicht des Gehäusesandwiches besteht. Eine Platte aus demselben Edelstahl, aus dem auch der Hauptteller gefertigt wird, soll für einen strafferen Bass sorgen, schwarzes Methacrylat für einen „weicheren“ Sound. Das Modell, das Volker Bohlmeier, Chef des deutschen TechDAS-Vertriebes, nach der hifideluxe in meinem Hörraum aufbaute, hat einen Tellereinsatz aus Aluminium und eine Vacuum-Plattenansaugung.
Die ist klanglich sicherlich von Vorteil, verbindet sie die leichte Schallplatte doch mit der Masse des Tellers und macht sie so Resonanzen gegenüber deutlich weniger anfällig. Dennoch ist mir das Verfahren seit ersten Versuchen mit einem Nachrüstsatz von Phonogen vor 30 Jahren ein wenig suspekt, denn es erfordert höchste Plattenhygiene: Der Plattenteller und auch die Scheiben müssen absolut staubfrei sein, damit beim Ansaugen kein Schmutz in die Rillen gedrückt wird. Für die Zeit des Test ist das kein Problem: Da kann man das schwarze Gold vor jedem Auflegen mit der Waschmaschine behandeln. Für die schnelle Platte nebenbei mir das jedoch zu aufwändig. Ansonsten ist die Benutzung des Vakuum-Systems sehr komfortabel. Nach dem Aufsetzen des Plattengewichts genügt ein Druck auf die „Suction“-Taste, und schon liegt die Platte unverrückbar auf dem Teller. Ein zweiter Druck auf dieselbe Taste schaltet die Absaugung nicht einfach ab. Nein, vor dem Ausschalten kehren Elektromagnetventile den Luftstrom kurzzeitig umgekehrt: Die Platte löst wie von selbst vom Teller. Sehr durchdacht und benutzerfreundlich!
Noch einmal kurz zurück zum Hauptteller des Air Force One: Der wird aus Edelstahl gefertigt, erst durch Hitzebehandlung gehärtet, dann auf einer langsam laufenden, hochpräzisen Drehbank bearbeitet, um sicherzustellen, dass die Oberseite völlig unmagnetisch ist. Die Unterseite wird auf Spiegelglanz poliert, um einen perfekt sanften Luftstrom des großen Luftlagers zu gewährleisten. Der Hauptteller wiegt 19 Kilogramm und enthält eine Kammer mit einem Volumen von 1,1 Litern, die Teil des Unterdruck-Anpress-System ist. Das große Volumen bewirkt laut Produktinformation einen charakteristischen Dämpfungseffekt, der verhindern soll, dass sich zwischen dem Hauptteller und dem oberen Tellereinsatz Resonanzen ausbilden. Die Folge sei eine erstaunliche Ruhe.
Nicht nur das vertikale Luftlager macht den Air Force One gegenüber Vibrationen der Stellfläche relativ unempfindlich, die drei speziellen Füße, auf denen das Chassis ruht, tun ein übriges. Große Luftkammern lassen sich über entsprechende Ventile, die unter dem Namensschild auf der Frontseite des Air For One verborgen sind, mit einer Luftpumpe befüllen. Dabei bestimmt die Luftmenge die Resonanzfrequenz des Fußes. Die Resonanz des gesamten Chassis lässt sich also in einen klanglich günstigen Bereich legen. Die Höheneinstellung zum Austarieren des Plattenspielers in der Horizontalen geschieht über Feingewinde an den drei Dämpfungsfüßen und ist vom Luftdruck unabhängig.
Wie bei großen riemengetriebenen Laufwerken üblich befindet sich der Motor in einem separaten Gehäuse. Um das je nach oberem Tellereinsatz bis zu 30 Kilogramm schwere Drehteil in Schwung zu bringen, wird ein mächtiger Wechselstrom-Synchronmotor eingesetzt. Er läuft mit maximalem Drehmoment, bis der Teller die Sollgeschwindigkeit erreicht hat. Sobald dann „Lock“ im Display erscheint, wird die Speisespannung reduziert, um vom Motor induzierte Schwingungen vom Teller fernzuhalten. Der Motor liefert nur noch soviel Drehmoment, wie zur Aufrechterhaltung der Drehzahl notwendig ist – und das ist bei dem beinahe reibungslosen Lager und dem hohen Trägheitsmoment des Tellers sehr wenig. Die Drehgeschwindigkeit wird von einem Sensor unterhalb des Tellers ermittelt. Durch diese Art der Motorsteuerung will man nicht nur eine akkurat eingehaltene Geschwindigkeit, sondern gleichzeitig auch eine außerordentliche Laufruhe erreichen.
Auch wenn das Hauptchassis nahezu völlig von seiner Stellfläche entkoppelt ist, treibt TechDAS einen enormen Aufwand, um vom Motor verursachte Vibrationen so klein wie möglich zu halten: Da ist zum einen die schon erwähnte Minimierung des Drehmoments nach Erreichen der Nenndrehzahl, zum anderen ist der Langsam-Läufer mit der sauber gelagerten, relativ dicken Achse in einer enorm dickwandigen Buchse aus Edelstahl montiert, die an einem Entkopplungselement hängt, das den Kontakt zum eigentlichen Motorgehäuse in Sandwich-Bauweise herstellt. Nur am Rande sei bemerkt, dass die höhenverstellbaren Füße der Motoreinheit mit Sprengringen gegen versehentliches Herausdrehen gesichert sind: ein gewiß nicht klangrelevantes Detail, das aber zeigt, mit welch hoher maschinenbaulicher Perfektion TechDAS hier zu Werke geht.
Bei der schieren Masse des Motors in seinem Gehäuse ist auch nicht zu befürchten, dass der am Motorgehäuse einmal eingestellte Zug des Riemens sich durch leichtes Wandern des Gehäuses verändert. Die Oberfläche des sehr dünnen und vier Millimeter breiten Riemens aus Polyurethan-Fasern ist geschliffen. Der Riemen soll eine absolut stabile Umdrehungszahl garantieren und gleichzeitig dafür sorgen, dass der Teller mit seiner hohen Masse diese auch schnell erreicht. Das erste Ziel wird perfekt erreicht, die Zeit zum Hochlaufen allerdings dürfte zumindest ungeduldigen Zeitgenossen ein wenig lang vorkommen.
Einen nicht unbeträchtlichen Anteil am klanglichen Ergebnis hat laut TechDAS auch die Tonarmbasis. Ein nach Kundenwunsch gefertigtes Exemplar ist im Lieferumfang enthalten. Auf der üblichen Position können Basen für Tonarme mit einer Länge von neun bis zehn Zoll montiert werden, für Arme mit einer Länge von zehn bis zwölf Zoll kann hinten links am Chassis eine zweite Basis angebracht werden. Nach der Analyse der Schwingungsmoden in der Konstruktion des Air Force One entschied man sich für eine Tonarmbasis aus sehr hartem und relativ weichem Material: Die Basis aus Dur-Aluminium besitzt einen Einsatz aus Ebenholz. Das Testexemplar kam mit einer Basis nach SME-Standard. Da sich aber schon beim Test von Einsteins The Pickup herausstellte, dass mein SME V nicht alle Fähigkeiten dieses enorm spielfreudigen und mit einer weit ausgedehnten Raumdarstellung faszinierenden Abtasters zur Geltung bringen konnte, stattete ich den den Air Force One mit einem Graham Phantom Elite aus, der für die Montage im klassischen SME-Langloch ausgelegt ist. Damals nahm ich fälschlicherweise an, dass dieser Graham speziell für TechDAS gefertigt würde. Doch dazu später mehr.
Noch harren das Netzteil/Pumpengehause und die Lufttrocknungseinheit näherer Betrachtung: Letzte dient nicht vorrangig der Kondensation von Feuchtigkeit in der Druckluft, sondern der Glättung des Luftstroms. TechDAS vergleicht die Funktion mit der eines Kondensators in einem Netzteil. Um keine zusätzliche Welligkeit im Luftstrom zu generieren, habe man die innere Struktur des Trockners mit Glas-Wänden aufgebaut. Das größere, alufarbene Gehäuse beinhaltet dann die Netzteile für den Plattenspieler, die Pumpe für das Luftlager und die Plattenansaugung sowie die Motorsteuerung. Hier generieren zwei 50-Watt-Leistungsverstärker mit einen Kristalloszillator eine Wechselstrom-Wellenform, die den Synchronmotor antreibt. Dabei kann die Geschwindigkeit in Schritten von 0,1 Umdrehungen pro Minute über Taster am Laufwerk variiert werden, was auch im Display zwischen den Tastern angezeigt wird. Dies soll es dem Hörer ermöglichen, die Musik in einer anderen Tonhöhe zu genießen als der, die die Platte vorgibt.
Die extrem leise, in einem Druckgussgehäuse gekapselte Pumpe soll einen sehr gleichmäßigen Luftstrom erzeugen und trotz ihrer geringen Größe einen ausreichend kräftigen Luftstrom für das Lager und die Plattenansaugung generieren. Und der Aufwand bei der Kapselung und der Gummilagerung der Pumpe macht sich wirklich bezahlt: Bisher habe ich keine Pumpe für ein Laufwerk oder einen luftgelagerten Tonarm in meinem Hörraum erlebt, die so geräuscharm, ja geräuschlos arbeitet wie die des TechDAS.
Als ich noch glaubte, der Graham Phantom Elite sei eine speziell für den Japanischen Nobelhersteller gefertigte Version, erschien es mir logisch, einen TechDAS Tonabnehmer zu bestellen, das Trio als Einheit zu betrachten und nur als solche zu beschreiben. Doch nachdem ich meinen Irrtum erkannte, verwarf ich diese Idee. Ein Test mit drei Unbekannten, die nicht qua gemeinsamem Hersteller für einander bestimmt sind, scheint nicht mehr zwingend. Und deswegen werde ich den Graham mit TechDAS Tonabnehmer auch einmal auf dem LaGrange hören, damit ich die Leistung des Air Force One besser einordnen kann. Da ein Laufwerks-, Tonarm- und Abtaster Test in einer der Ausnahmequalität dieser Komponenten angemessenen Ausführlichkeit den üblichen Rahmen sprengen würde, werde ich den Artikel teilen.
Bevor wir jedoch zum Schluss von Teil eins kommen, möchte ich ihnen noch das TechDAS TDC01 TI vorstellen. Es ist der Top-Tonabnehmer der Japaner und wird von Yoshio Matsudeira gebaut wird, der vor allem wegen der Tonabnehmer für seine eigene Marke, My Sonic Lab, und die von ihm gefertigten Systeme für AirTight hoch geschätzt wird. Seine Spezialität sind Generatoren mit sehr geringem Innenwiderstand und einer recht kräftigen Ausgangsspannung. Dies sind eigentlich Gegensätze: Denn viele Wicklungen führen zu einer hohen Spannung, aber auch einem hohen Widerstand – und umgekehrt. Wie die technischen Daten des TDC01 TI beweisen, ist es Masudeira-san auch hier wieder gelungen, die geringe Impedanz von 1,4 Ohm mit einer Ausgangsspannung von 0,45 Millivolt unter einen Hut zu bringen. Das TDC01 TI besitzt denselben Generator wie das TDC01 ohne den Zusatz TI, der verrät, dass das damit bezeichnete System ein Gehäuse aus hochfestem Titan statt aus dem leichteren Dur-Aluminium besitzt. Das TI bringt 17 Gramm auf die Waage, das System mit Alu-Korpus 12 Gramm. Apropos Waage: Beim TDC01 TI gehören eine elektronische Tonarmwaage, nicht magnetische Pinzette und Schraubendreher sowie 8N-Kabel für die Verbindung im Headshell mit zum Lieferumfang. Wie's klingt und welche Rolle der Graham dabei spielt, lesen Sie in Kürze an dieser Stelle.
Herstellerangaben
Laufwerk TechDAS Air Force One
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Antrieb | Riemenantrieb über oberflächen-polierten Flachriemen aus Polyurethan-Fasern |
Hauptteller | Edelstahl SUS316L, hitzebehandelt, nicht magnetisch (19 kg) |
Oberer Teller | zur Wahl: Aluminum A7075 (3,5 kg),b Edelstahl SUS316L (10 kg) oder Methacrylate (1,5 kg) |
Motor | Wechselstrom-Synchron-Motor, Geschwindigkeit durch Gleichstrom-Verstärker geregelt |
Motorgewicht | 6,6 kg |
Gehäuse | drei unterschiedliche Materialien in einer Sandwich-Struktur |
Gehäusegewicht | 43 kg |
Gewschwindigkeiten | 33⅓ und 45 rpm mit Feinregulierungsfunktion |
Gleichlaufschwankungen | unter 0.03% (W.R.M.S) |
Kleinste Stellfläche | 79 kg (Laufwerk) |
Netzteil-Einheit |
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Leistungsaufnahme | 60 W |
Spannungen | 100 / 120 / 220 / 240 V (50 /60 Hz) |
Abmessungen (B/H/T) | 430/150/240 mm |
Gewicht | 10 kg |
Air Condenser Unit |
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Abmessungen (B/H/T) | 260/160/240 mm |
Gewicht | 4 kg |
Mitgeliefertes Zubehör | Tonarmboard (für gewünschten Tonarm vorbereitet), Staubschutz-Abdeckung, Netzkabel |
Preis |
78000 Euro |
Herstellerangaben
Tonabnehmer TechDAS TDC01 TI
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Prinzip | Moving Coil |
Frequenzgang | 10 – 50.000 Hz |
Ausgangsspannung | 0,45mV (1kHz) |
Innenwiderstand | 1,4 Ohm |
Empfohlener Lastwiederstand | 100 - 200 Ohm |
Empfohlene Auflagekraft | 2,0 - 2.3g |
Gewicht | 17g |
Nadelträger | reines Boron |
Nadelschliff | Semi-Line-Contact (3μm x 30μm) |
Gehäuse | Titan mit spezieller Oberflächen-Härtung |
Gehäusebasis | Titan mit spezieller Oberflächen-Härtung und Bedämpfung |
Kanalgleichheit | 0,5dB (1kHz) |
Kanaltrennung | 30dB (1kHz) |
Mitgeliefertes Zubehör | 8N Headshell-Kabel, nicht magnetische Pinzette, Titan-Schrauben zur Montage, nicht magnetischer Schraubendreher, digitale Tonarmwaage |
Preis | 8800 Euro |
Hersteller / Vertrieb
EINSTEIN Audio Components GmbH
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Anschrift | Prinz Regent Straße 50-60 44759 Bochum |
Telefon | +49 234 9731512 |
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Web | www.einstein-audio.de |
Mytek baut Digital-Elektronik mit einem faszinierenden Preis/Leistungsverhältnis, ist seit Jahren in der Studioszene bestens etabliert, hat aber bei der Konstruktion seines neusten Produkts den Hifi-Markt im Visier. Entwickelt wird in den USA und Polen, gefertigt in Polen. Mytek ist also alles andere einer der üblichen Hifi-Hersteller: ein Besuch in Warschau.
Auch wenn aus unserem östlichen Nachbarland immer mehr bemerkenswerte Geräte kamen wie zuletzt die Franc Audio Accessories, die famosen Acient Audio Aktiv-Lautsprecher, die Kollege Saile so gut gefielen, dass er sie inzwischen erworben hat, oder eben Myteks D/A-Wandler-Vorstufe, so richtig in den Blickpunkt geraten ist Polen für mich vor allem durch unsere Kooperation mit Wojtek Pacula und seinem Online-Magazin High Fidelity. Bisher sind wir uns aber nur auf Messen begegnet, wo jeder von uns anderes zu tun hat, als ausgiebig mit Kollegen zu plaudern. Daher beschloss ich, Wojtek in diesem Sommer in Krakau zu besuchen. Da ich das Land nicht kannte und die Entfernung zwischen den Redaktionen von High Fidelity und Hifistatement recht beträchtlich ist, bot es sich an, einige zusätzliche Tage in Polen zu verbringen.
Während des Aufenthaltes in Krakau traf ich dort übrigens auch die Krakau Sonic Society, einen lockeren Zusammenschluss von Hifi- oder besser Musik-Begeisterten, die sich auf ihren Zusammenkünften sehr ersthaft, aber auch voller Genuss – zudem nicht nur die Geräte, sondern auch eine gepflegte Getränkeauswahl beitragen – mit ihrem Lieblingsthema beschäftigen. Mehr darüber können Sie an dieser Stelle wohl noch im August lesen. Wer des Polnischen mächtig ist, findet des Kollegen Wojteks Bericht ab dem 16. August in High Fidelity.
Wie gesagt hielt ich es für eine gute Idee, den Besuch in Krakau mit einem Abstecher in die Hauptstadt zu verbinden, um ein wenig mehr vom Land kennenzulernen. Da lag ein Besuch bei Mytek im wahrsten Sinne des Wortes nahe. Allerdings erntete ich sowohl bei Wojtek als auch bei Marcin Hamerla, dem Chef von Mytek Polen, leicht ironische Kommentare, als ich erwähnte, was das vorherige oder kommende Ziel der Reise sei. Des Rätsels Lösung: Warschauer und Krakauer mögen sich ähnlich gern wie hierzulande Schalker und Dortmunder. In Polen geht es aber nicht um die Rivalität der Fans zweier Fußballmannschaften, sondern im engeren Sinne um Kultur: Krakau war Königssitz, verlor diesen Status dann aber an Warschau. Allerdings fand dieses Ereignis schon im Jahre 1596 statt. So viel zum ausgeprägtem Geschichtsbewusstsein unserer Nachbarn!
Aus Richtung Berlin kommend, wo wir uns das A-Trane ansahen, den Jazz-Club, in dem wir Ende August die Gruppe Dephazz aufnehmen werden, fuhren wir über eine ebenso neue wie langweilige Autobahn nach Warschau. Die Strecke vermittelte meiner Gattin und mir den Eindruck, Polen sei ein sehr dünn besiedeltes, reines Agrarland. Ganz anders dann die Hauptstadt: Moderne Architektur mit Hochhäusern, wie man sie zumindest in München nicht zu sehen bekommt. Aber es gibt auch die andere, historische Seite: den sogenannten Königsweg, beginnend mit einer noblen Einkaufstraße, vorbei am Kopernikus-Denkmal, der Universität, dem feinen Hotel Bristol, das alljährlich im November einen Teil der von etwa 13000 Interessierten besuchten Audio Show beherbergt, und dem Präsidentenpalast bis zur Altstadt. An dessen Ende treffen wir dann Marcin Hamerla und Adam Bielewicz mit ihren Begleiterinnen in einem urwüchsigen polnischen Bierlokal, in dem sich jeder Bayer – der dem landläufigen Klischee entspricht – sofort zu Hause fühlen würde.
Erfreulicherweise geht es beim Abendessen und dem ein oder anderen Bier – später ordert Marcin Hamerla Lemon-Wodka – vorrangig um Landestypisches, Reisen und persönliche Vorlieben. Marcin Hamerla ist sehr an Sprachen interessiert und hat für sich und zwei weitere Mitarbeiter privaten Deutschunterricht in der Firma organisiert. Einer dieser Mitarbeiter ist Adam Bielewicz, der sich um den technischen Support der Mytek-Kunden kümmert. Dabei ist wie an diesem Abend meist Englisch die Sprache der Wahl. Dass Mytek einen eigenen Mitarbeiter fast ausschließlich für den Kundensupport – ein wenig kümmert sich Adam Bielewicz auch noch ums Marketing – eingestellt hat, liegt zum einen daran, dass sowohl die mehrkanaligen A/D- und D/A-Wandler für den professionellen Einsatz als auch die zwei-kanaligen Geräte über eine ungeheure Menge von Funktionen verfügen, über die die Vielzahl von LEDs respektive das recht grob auflösende Display nur rudimentär informiert. Zum anderen haben immer mehr Hifi-Fans die im allerbesten Wortsinne preiswerten Wandler entdeckt und sind mit einigen für die Profianwendungen wichtigen Features einfach nicht vertraut. Doch wie gesagt, standen die Geräte an diesem langen Abend, der uns das Land und vier seiner Bewohner ein gutes Stück näher gebracht hatte, nicht im Mittelpunkt. Der Weg vom Lokal zu unserem Hotel führte fast den gesamten Königsweg hinunter: In einer lauen Sommernacht wirklich ein Erlebnis!
Vielleicht sollte ich an dieser Stelle einmal die etwas kryptische Überschrift erklären: Wie schon in der Einleitung erwähnt werden die Mytek-Geräte in Polen hergestellt und zum Teil auch entwickelt. Ein großer Teil der Schaltung wird aber in den USA erdacht und zwar von Michal Jurewicz, der die Firma Mytek im Jahre 1992 in den Vereinigten Staaten gründete. Er hatte an der selben Technischen Hochschule in Warschau Elektronik studiert wie Marcin Hamerla, ging dann aber nach New York, wo er in diversen renommierten Studios tätig war, bevor er beschloss, eigene Geräte für den professionellen Einsatz zu entwickeln, zu fertigen und zu vertreiben.
Das erste Produkt war das „PrivateQ 12 channel headphone monitoring system“, ein modular aufgebautes Kopfhörersystem, das es jedem Musiker erlaubt, bei Aufnahmen aus zwölf einzelnen Kanälen seine ganz individuelle Monitor-Abmischung für den Kopfhörer zu kreieren. Das System, das Kiss und auch die Rolling Stones bei ihren Aufnahmen zu Voodoo Lounge einsetzten, wird noch heute produziert und verkauft. Bei den aktuellen zwei- und mehrkanaligen D/A- und A/D-Wandlern zeichnet Michal Jurewicz für das technische Design der Digital-Elektronik und der analogen Ausgangsstufe verantwortlich. Auch wenn die USA inzwischen seine Heimat sind, verbringt er einige Wochen des Jahres in Warschau. Leider war es nicht möglich, unseren Besuch so legen, dass wir ihn bei einem seiner Besuche in Warschau trafen. Da er aber regelmäßig auf der Prolight + Sound in Frankfurt und/oder der High End in München anzutreffen ist, kann er seine Sicht auf die Firmengeschichte ja in nicht allzu ferner Zukunft in einem Interview ergänzen.
Doch zurück nach Warschau: Nach einem Blick über die Stadt von der Aussichtsplattform des Kulturpalastes machen wir uns auf den Weg zum Firmensitz. Da der ganz bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sein soll, lassen wir das Auto in der Hotelgarage und fahren etwa 20 Minuten mit der Tram in einen der Außenbezirke der Stadt. An der Haltestelle erwartet uns dann Adam Bielewicz, um uns ein paar hundert Meter bis zur Firma zu chauffieren. Die liegt in einen Gewerbegebiet und belegt die erste Etage in einem industriellen Zweckbau. Adam Bielewicz führt uns in sein Büro, dass er sich mit Aleksandra Kalabun, der Sales Managerin, dem Einkäufer Dariusz Grden und dem Firmenchef teilt. Auf dessen Schreibtisch herrscht tabula rasa, was natürlich die Frage provoziert, ob er extra für den Besuch aufgeräumt habe. So ist es nicht: Der Vater von drei Kindern kümmert sich um diese und arbeitet daher die meiste Zeit zuhause – oder wie es neudeutsch wohl heißt: im home office – und kommt nur ein, zwei Mal in der Woche in die Firma.
Das Firmenschild am Eingang zeigt zwar auch das vertraute Mytek-Logo, doch darüber ist HEM-Electronics zu lesen. Diese Firma gehört Marcin Hamerla. Er gründete das „polnische Mytek“, wie er es nennt, im Jahre 1998, um die von Michal Jurewicz und ihm entwickelten Geräte zu produzieren. Die beiden hatten sich an der Technischen Hochschule kennengelernt, aber nicht zusammen studiert: Michal Jurewicz war einige Semester weiter als Marcin Hamerla. Ihre Zusammenarbeit gestaltete sich ausgesprochen erfolgreich: Heute arbeiten 15 Personen bei HEM, und Mytek-Elektronik wird in weit über 30 Länder exportiert. Wichtigste klangliche Ziele bei all ihren Produkten seien Transparenz und Verfärbungsfreiheit, führt Marcin Hamerla aus.
Weiterhin sei ihnen wichtig, die Geräte mit einer Vielzahl von Features auszustatten, so dass sie alle Anforderungen von professionellen Anwendern – und zunehmend auch von Hifi-Fans – erfüllten. Eines davon sei zum Beispiel die rein analoge Lautstärkeregelung, die beim DAC eine Alternative zu digitalen Regelung darstelle. Übrigens führe der volle Firmenname, Mytek Digital, ein wenig in die Irre: Er und Michal Jurewicz verfügten nämlich auch über eine Menge Erfahrung bei analogen Schaltungen. Wer den kleinen DAC mit seiner kraftvollen Ausgangsstufe einmal gehört hat, hätte daran gewiss niemals gezweifelt.
Auch wenn ich es eigentlich vermeiden wollte, in einem Firmenbericht über Geräte zu schreiben, komme ich nicht umhin einzugestehen, dass ich dem Erscheinen von zwei Komponenten geradezu entgegenfiebere, die in diesem Herbst erhältlich sein sollen: Zum einen ist dies ein zwei-kanaliger Analog/Digital-Wandler, der die acht-kanalige A/D-D/A-Kombination klanglich weit hinter sich lassen soll, wie Michal Jurewicz und Marcin Hamerla auf der High End und bei einem Skype-Termin unabhängig voneinander anmerkten. Und auf der Suche nach einem erstklassigen Wandler zur Erstellung von DSD-Files mit einfacher und doppelter Abtastrate direkt von den Masterbändern meiner Aufnahmen für edel:kultur und sommelier du son bin ich schon lange. Bisher hat keiner den Ansprüchen genügt. Vielleicht schafft es ja der Mytek.
Noch deutlich interessanter dürfte für Sie, liebe Leser, das zweite Mytek-Produkt sein, dass in Kürze seine Premiere feiern wird und auf der High End schon als Vorserien-Modell zu sehen war: der Mytek Manhattan. Nach dem großen Erfolg des 192-DSD-DAC bei Hifi-Fans haben Michal Jurewicz und Marcin Hamerla nun erstmals ein Gerät speziell für dieses Marktsegment konstruiert: Der Manhattan ist eine Kombination aus Wandler – PCM bis 384 Kilohertz und DSD bis 11,2 Megahertz –, Kopfhörerverstärker mit einer Ausgangsleistung bis 1,6 Watt und Vorstufe mit einem XLR- und zwei analogen Cinch-Eingängen in einem extravagant gestalteten Gehäuse. Marcin Hamerla hat uns ein Testexemplar aus der ersten Zehnerserie fest versprochen. Das Theme Mytek verspricht, spannend zu bleiben!
Vertrieb
Hifistudio in Falkensee
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Anschrift | Münchenerstr. 5 14612 Falkensee |
info@berlin-hifi.de | |
Web | www.berlin-hifi.de |
Hersteller
Kron Audio
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sales@kraudio.com | |
Web | www.kraudio.com |
Bei Hybridverstärkern denkt der Audiophile als solcher irgendwie an: nicht Fisch und nicht Fleisch. Insbesondere die Hardcore Röhrenliebhaber haben so ihre Probleme mit derartigen Geräten und fragen sich eher: Wozu das Ganze? Außerdem ist die Erde eine Scheibe...
Zu obigem Thema sollte man aber auch die Gegenfrage zulassen: Warum eigentlich nicht? Dr. Eunice Kron, die Besitzerin der Firma Kron in der Republik Tschechien, hat sich fest vorgenommen, diese Vorurteile alle auszuräumen. Wie kommt nun eine in New York geborene Medizinerin dazu, eine Röhren- und Verstärkermanufaktur in Tschechien zu leiten? Angefangen hat das Ganze mit einem Urlaub in Italien, wo sie Riccardo Kron kennen lernte, ihn heiratete und gleich dort geblieben ist. Riccardos Vorliebe für Vakuumröhren kumulierte schließlich in einer Zusammenarbeit mit dem tschechischen Röhrenhersteller Alesa Vaic, die allerdings nur von begrenzter Dauer war. Nach Abspaltung von Vaic gründete Kron seine eigene Firma unter der Bezeichnung KR Enterprises. Nach dem Tod von Riccardo Kron führte Eunice zusammen mit dem technischen Personal die Firma unter der Bezeichnung Kron Audio weiter. Mittlerweile heißt sie nur noch Kron.
Angefangen hatte KR Audio also zunächst mit der Herstellung von Röhren, allesamt manuell und in hoher Qualität gefertigt. Sogar die Gläser sind mundgeblasen; Prag ist bekannt für hervorragende Glasverarbeitungskunst. Die Palette wurde mittlerweile auf dreizehn Typen erweitert, momentan werden jedoch nur Leistungsröhren für Ausgangsstufen gebaut. Teilweise Original-Nachbauten als Ersatz für eine 300B oder 45 beispielsweise, teilweise aber auch sehr spezielle Trioden, die im Single-Ended-Modus eine wesentlich höhere Ausgangsleistung zur Verfügung stellen können, wie beispielsweise die Monsterröhre KRT1610, auch Kronzilla genannt. Deshalb konnte man eigentlich erwarten, dass die Firma über kurz oder lang auch die passenden Verstärker dazu liefern würde. Wie bereits erwähnt, sind diese als Hybrid-Design konzipiert.
Hybrid-Designs sind nun nichts völlig ungewöhnliches, allerdings geht Kron hier einen anderen Weg als allgemein üblich; hier sind nämlich die Eingangs- und Treiberstufen transistorisiert und nicht die Ausgangsstufe. Der Grund ist ganz einfach: Wenn man schon solche hervorragenden Leistungstrioden baut, dann möchte man sie natürlich auch einsetzen. Andererseits ist ein Transistor eher dafür prädestiniert Strom zu liefern, als Spannungslieferant ist eine Röhre wiederum besser geeignet. Deshalb sind die Hybridschaltungen üblicherweise umgekehrt ausgelegt. Aber man sollte diesbezüglich nicht voreingenommen sein, nur weil es viele anders machen, das Ergebnis ist entscheidend!
Bei dem VA 830 handelt es sich um einen Vollverstärker mit einer Push-Pull Ausgangsstufe in Class A und Ultralinear Schaltung, eingesetzt werden 300B Röhren, natürlich aus eigener Produktion. Ein Blick auf das Datenblatt zeigt eine Ausgangsleistung von zweimal 40 Watt. 40 Watt? Druckfehler? Es gäbe ja eine gedopte Version der 300B bei Kron unter der Bezeichnung 300BXLS mit einer deutlich höheren Verlustleistung von 70 Watt, diese ist hier aber nicht eingesetzt. Vielleicht doch Class A/B oder Class A2? Nun ja, wir werden sehen. Jedenfalls macht die Kron 300B Triode rein optisch einen sehr sauber gefertigten Eindruck, die Röhren sind auch einzeln nummeriert, erkennbar an einem kleinen Schildchen im Inneren der Röhre. Also keine Fließbandproduktion, alles Handarbeit. Der Innenaufbau ist sehr präzise gefertigt, wir werden sehen, ob sich dies vielleicht auch in einer geringeren Mikrophonie-Neigung äußert. Ich könnte mir vorstellen, dass die Kron Röhren auch in Geräten anderer Hersteller als Ersatz eine gute Figur machen würden. Der Preis für eine 300B beträgt 350 Euro, es gibt gematchte Paare und Quartette ohne zusätzlichen Aufpreis für die Selektierung. Der Hersteller gibt eine zwei- bis dreifach verlängerte Lebensdauer gegenüber herkömmlichen Typen an. Das relativiert den Preis wieder ein bisschen.
Eine segensreiche Einrichtung ist die Mikroprozessor gesteuerte Regelung der Bias-Einstellungen der Endröhren, es ist also keine manuelle Nachregelung erforderlich. Röhren altern ja unterschiedlich schnell, deshalb müsste man den Bias immer wieder nachregeln. Zudem überwacht der Mikroprozessor auch den „Gesundheitszustand“ der Röhren. Vor jedem Röhrensockel ist eine LED eingebaut, die anfängt zu blinken, wenn die Röhre defekt ist. Das Gerät schaltet dann automatisch in den Standby-Modus um.
Der Verstärker besitzt vier Eingänge für Hochpegelquellen, hat aber keinen Phonoeingang. Schwarzhörer müssen aber nun nicht gleich fremdgehen und sich einen externen Phonoverstärker eines anderen Herstellers zulegen, sondern können sich gegen einen Aufpreis von 600 Euro einen Phonoeingang einbauen lassen. Wahlweise MC oder MM, die Phonostufe ist ebenfalls transistorisiert. Die Eingänge sind übrigens nicht gekennzeichnet, man muss sich also merken, wo man was angeschlossen hat. Die Verarbeitungsqualität ist sehr gut, alles fühlt sich solide an; für mich ist die Anfassqualität bei einem Hifi-Produkt ein wichtiges Kriterium.
Mitgeliefert wird eine Infrarotfernsteuerung, mit der man die Eingänge via Reed-Relais anwählen, sowie die Lautstärke regulieren kann. Zudem lässt sich auf diesem Wege das Gerät in den Standby-Modus versetzen, wobei die Transistoren unter Spannung bleiben, die Röhren aber abgeschaltet werden. Der eigentliche Netzschalter befindet sich auf der Rückseite. Wenn die Aufwärmphase beendet ist, leuchtet eine LED am Lautstärkeregler auf, die auch zugleich die Lautstärkeeinstellung anzeigt. Allerdings merkt sich der Verstärker nicht, welcher Eingang zuletzt belegt war, er schaltet nach dem Einschalten automatisch immer auf Eingang #1.
Nach dem Auspacken kann es dann auch gleich losgehen, oder nein halt, zuerst muss noch das Schutzgitter abgeschraubt werden, um die Transportsicherung für die Röhren zu entfernen. Der Verstärker wird mit gesteckten Endröhren geliefert! Nachdem keine kleinen Kinder mehr im Haus sind, wurde das Lochblech anschließend gleich ganz weggelassen, sonst erinnert mich der Verstärker von vorne irgendwie an einen Heizlüfter. Was er irgendwie ja auch ist, werden böse Zungen behaupten. So, jetzt haben wir die typische Skyline eines Röhrenverstärkers.
Alle Wege führen nach Rom; das hatte zumindest der Vatikan früher einmal gedacht. Ob nun die ungewöhnliche Kombination Transistor-Röhre auch ein Weg nach Rom ist, wird der Hörtest zeigen. Die dabei interessante Frage ist: Klingt er nun mehr nach Röhre oder mehr nach Transistor? Die Treiberstufe – hier als MosFet ausgelegt – hat ja entscheidenden Einfluss auf den Klang.
Also los gehts, den Verstärker eingeschaltet, hm, was ist jetzt? Die Röhren leuchten ja gar nicht! Schnell noch einmal alles kontrolliert; stimmt alles. Die Erleuchtung kommt diesmal vom Lichtschalter! Omm! Bei den Kron 300B Röhren handelt es sich offensichtlich um ein geschlossenes Elektroden-System, so dass man das Glimmen der Heizfäden nur bei ausgeschaltetem Licht sehen kann und auch dann nur, wenn man von oben direkt in die Röhre hinein schaut. Nix mit Weihnachtsstimmung! Wäre aber auch noch ein bisschen früh!
Wer nun – entsprechend dem Klischee – einen warmen, mittigen Ton erwartet hat, nach dem Motto: wunderschöne Mitten, aber oben und unten muss der liebe Gott helfen, wird hier sicher enttäuscht werden, soviel kann ich vorweg schon sagen. Wobei sich auch hier wieder zeigt, dass der mittige Ton bei 300B Verstärkern oft durch eine unpassende Ansteuerung verursacht ist. Das lag in der Vergangenheit natürlich auch daran, dass die von Western Electric hierfür vorgesehene Treiber-Pentode WE 310 noch nicht all zu lange als Nachbau zur Verfügung steht. Und das Original den Weg des Dodo gegangen ist.
>Als erstes kam eine CD von Oscar Peterson aus der neu aufgelegten Serie exclusively for my friends des Labels MPS auf den Teller (ich weiß, da gibt’s keinen Teller, klingt aber irgendwie beruhigend). Die gab es bereits früher als Schallplatte unter der Bezeichnung Musik Produktion Schwarzwald, für die CD hat sich jetzt irgendein Werbefuzzi die Bezeichnung Most Perfect Sound ausgedacht. Nun ja. Jedenfalls handelt es sich hier um sehr interessante Aufnahmen, bei denen die Musiker im Wohnzimmer des Produzenten Brunner-Schwer spielten. So ähnlich muss die Situation ja auch bei Rudy van Gelder in Hackensack für Blue Note gewesen sein. Action heißt die Scheibe und weist damit gleich einmal daraufhin, was hier zu erwarten ist: Peterson bringt dem Klavier das Fliegen bei! Der Kanadier repräsentiert einen virtuosen, klassischen Jazzstil, für den bis heute kein Nachfolger gefunden wurde. Mit modernen Strömungen à la Cecil Taylor, bei denen dann die Musik wie ein Verkehrsunfall klingt, hatte Peterson nichts am Hut. Die meisten seiner Einspielungen wurden für das Label Verve aufgenommen, von denen viele für meinen Geschmack etwas verstaubt klingen. Nicht so bei diesen digital remasterten MPS-Aufnahmen, gleich beim ersten Titel „At Long Last Love“ zeigt Peterson, was er alles drauf hat. Und der VA 830i auch. Die Wiedergabe des Flügels ist schnell und klar, die ungeheure Anschlagsdynamik bei Petersons Blockakkorden kommt ansatzlos rüber. Das ist sicher eine der Stärken des Gerätes. Aber auch in leisen Passagen geht nichts von Petersons Ausdruckskraft verloren.
Mit Jazz kann der Kron Verstärker sehr gut umgehen, jetzt wollen wir einmal sehen, wie das mit klassischer Musik klappt. Ich habe als Nächstes eine Aufnahme mit Christian Thielemann und den Münchner Philharmonikern herausgesucht, Beethoven Ouvertüre Egmont, die Beethoven als begleitende Schauspielmusik zu Goethes Trauerspiel Egmont komponiert hatte. Es handelt sich hier um einen Live-Mitschnitt aus der Münchener Philharmonie. Jeder, der die Entstehungsgeschichte dieser Konzerthalle kennt, weiß um die akustischen Probleme, insbesondere mit großorchestralen Einspielungen. Trotzdem ist diese Aufnahme nicht schlecht gelungen. Mit dem VA 830 wird das Orchester etwas breiter abgebildet und weniger tief. Allerdings bleibt das Raumgefühl sehr gut erhalten, nur eben weniger tief. Wie wichtig das für einen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Bei den Violinen könnte ich mir etwas mehr Klangfarben vorstellen, allerdings fürchte ich, dass man für einen Verstärker, der die bringt, wesentlich tiefer in die Tasche greifen muss. Und Kron möchte ja auch noch die größeren Geräte verkaufen. Die Musik wird sehr kraftvoll wiedergegeben, insbesondere im Allegro-Teil wird durch die treibende Kraft der Höhepunkt des Dramas sehr gut unterstützt.
Ich weiß, mit Yello kann man heutzutage kaum noch einen Jugendlichen hinter dem Ofen vorlocken, zudem die beiden Schweizer bei dem Album Touch das harte, technoide Element deutlich heruntergefahren hatten. Die Atmosphäre erinnert ein bisschen an verräucherte Jazzclubs der 80-er. Trotzdem sind natürlich die ultratiefen Synthesizerbässe geblieben und die Scheibe hat den treibenden Groove wie eh und je. Auch wird beim ersten Titel sofort klar: Den beiden Oldies aus der Schweiz macht in Sachen Sound keiner so schnell etwas vor. Das funktioniert mit dem tschechischen Verstärker absolut hervorragend, die technischen Effekte und der etwas heisere Sprechgesang von Meier werden hervorragend wiedergegeben. Ebenso der Synthesizer-Bass, der so manchen Subwoofer überfordern könnte. Der kontrollierte Bass ist durchaus ungewöhnlich für einen Verstärker mit 300B Trioden im Ausgang. Wie viele Instrumente hier sonst noch mit von der Partie sind ist nicht so ohne weiteres herauszubekommen, spielt auch überhaupt keine Rolle.
Beim zweiten Stück ist eine gewisse happy Heidi, äh, Heidi Happy mit von der Partie, die mit schmachtender Stimme hier mehr das tragende Element vermitteln soll. Auch die Gesangsstimme kann der Kron Vollverstärker äußerst natürlich und plastisch wiedergeben. Insgesamt eine überzeugende Vorstellung!
Eines sollte man jedoch im Hinterkopf behalten, die eingesetzten Transistoren benötigen eine wesentlich längere Zeit zum „Vorglühen“ als die Röhren. Deshalb ist das Gerät nach der Aufwärmphase der Röhren zwar sofort betriebsbereit, aber tonal noch nicht ganz auf der Höhe. Abhilfe schafft hier der Standby-Schalter, mit dem sich die Transistoren schon einmal warmlaufen können, während man gleichzeitig die Röhren schont. Hier geht es allerdings nicht um Minuten.
Der VA830 bietet nicht den typischen Röhrensound, wie ihn ein komplett mit Röhren aufgebautes Gerät liefern kann. Sofern es gut gemacht ist. Natürlich auch nicht den typischen Sound von Omas Dampfradio. Der tschechische Verstärker hat einfach ein etwas anderes Klangideal, das mit Sicherheit sehr vielen Hörern entgegenkommen wird. Es klingt nun keineswegs so, dass man sagen würde: Da kann ich mir doch gleich einen Transistorverstärker kaufen; hier trägt die Magie der 300Bs einen ganz erheblichen Teil zur Performance bei. Irgendwelche tonalen Schwächen konnte ich in keinem Frequenzbereich feststellen, allerdings könnte ich mir einen Hauch mehr Auflösung vorstellen. Dies ist allerdings Jammern auf höchstem Niveau.
Der Verstärker arbeitet zuverlässig und vollkommen geräuschlos, auch bei voll aufgedrehtem Lautstärkeregler ist an meinem Lautsprecher mit 98 Dezibel Kennschalldruck kein Rauschen oder Brummen zu hören! Ich betone das immer wieder einmal, weil manche Leser sehr skeptisch gegenüber der Zuverlässigkeit von Röhrengeräten sind.
Wie jedes Gerät, profitiert auch der VA830 von einer sauberen Stromversorgung. Das ist natürlich eine Binsenweisheit, aber ein für externe Anwendungen zusammengebautes Bybee AC Modul konnte das Niveau des Verstärkers noch einmal deutlich anheben. Die oben genannten Klangbeschreibungen beziehen sich aber auf das Gerät so wie es im Handel angeboten wird. Der Vollverstärker liefert einen modernen Sound, damit meine ich jetzt nicht das, was sich meine Tochter so alles rein zieht, sondern eher in Richtung Neutralität, Unverfärbtheit und kontrollierter Wiedergabe. Und mit dem nötigen Hauch Wärme und Magie durch die 300B Röhren.
Gehört mit
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Digitallaufwerk | Ayon CDT |
D/A Wandler | Borbely Audio |
Laufwerk | Apolyt |
Tonarm | Triplanar |
Tonabnehmer | Clearaudio Goldmund, Van den Hul Grashopper |
Vorstufe | Shindo Monbrison |
Endstufe | Thomas Mayer 211SE Elrog, 6HS5 PSE, Shindo Cortese |
Lautsprecher | WVL 100i, Ancient Audio Studio Oslo |
Kabel | Audio Consulting Reference RCA, Swisscables Reference NF, Swisscables Reference LS, Auditorium23 LS, Swisscables Netz |
Zubehör | LeadingEdge Gerätebasis, LeadingEdge Minipaneele |
Herstellerangaben
Kron Vollverstärker VA 830
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Ausgangsleistung | 2x 40 WattRMS |
Ausgangsröhren | 4x KR 300B |
Eingangsempfindlichkeit | 0,75VoltRMS / 47kOhm |
Frequenzgang | 20Hz bis 20kHz (-1dB) |
Gewicht | 20kg |
Abmessungen (B/H/T) | 385/245/415mm |
Preis | 5995 Euro |
Hersteller
Kron Audio
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sales@kraudio.com | |
Web | www.kraudio.com |
Vertrieb
Hifistudio in Falkensee
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Anschrift | Münchenerstr. 5 14612 Falkensee |
info@berlin-hifi.de | |
Web | www.berlin-hifi.de |
Was lange währt: Hier reiche ich Ihnen die drei Klangbeispiele mit dem ungeheuer lebendigen van den Hul The Crimson nach.
In diesem Fall war es nicht unerheblich, wann die Überspielung auf die Nagra VI stattfand. Denn im Juli war es bis jetzt fast durchgängig heiß. Und in meinem Arbeitszimmer sorgen üblicherweise die Ayon Epsilon oder momentan die fantastischen MSB 203 dafür, dass die Temperaturen im Laufe des Tages doch ganz erheblich steigen. Bei den hochsommerlichen Wetterverhältnissen nützen da auch weit offene Fester wenig. Vor Jahren, als ich noch alle zwei Monate nach einem Thema für ein Editorial suchte, kam mir die Idee, über den Einfluss der Umgebungstemperatur auf den Klang von Tonabnehmern zu schreiben. Beratend stand mir damals Albert Lukaschek, der Chef und Inhaber von Benz Micro Systems zur Seite. Und er führte aus, dass auch bei 30 Grad Platte und Tonabnehmer beim Abspielen keinen Schaden nehmen würden, denn auf Grund der Reibung zwischen Nadel und Rille – bei den extrem kleinen Kontaktflächen entsteht selbst bei einer Auflagekraft von wenigen Gramm ein enorm hoher Druck – würde die Rille schon bei üblicher Raumtemperatur punktuell auf weit über 100 Grad aufgeheizt. Zwar reagiere vor allem die Dämpfung des Tonabnehmers auf Temperaturunterschiede, was zwar dazu führe, dass sich der Klang minimal ändere und die Spezifikationen nicht mehr hundertprozentig eingehalten würden. Schaden am Abtaster würde allerdings nicht entstehen, weshalb man auch bei höheren Temperaturen seine schwarzen Scheiben genießen können.
Bei den drei, mit dem Crimson aufgenommenen Songs für die Klangbibliothek wollte ich mich allerdings nicht mit temperaturbedingt leicht untypischen klanglichen Ergebnissen zufrieden geben, weshalb ich den Aufbau und den Pegelabgleich schon am Vortag erledigte und dann für meine Verhältnisse recht früh am nächsten Morgen nach einer halben Stunde Einlaufzeit für das Crimson die drei Titel überspielte: bei exakt 21 Grad. So dürfte es für Sie einfacher sein, die im Test geschilderten Klangeindrücke nachzuvollziehen.
Klangbibliothek.
Tonabnehmer | van den Hul The Crimson |
Tonarm | SME V |
Verkabelung | Forceline |
Phonostufe | Einstein The Turntable‘s Choice (150 Ohm) |
Musik | „How Deep Is The Ocean“ |
Downloadgröße | 113,6 mb |
Recorder | Nagra VI |
Klangbibliothek.
Tonabnehmer | van den Hul The Crimson |
Tonarm | SME V |
Verkabelung | Forceline |
Phonostufe | Einstein The Turntable‘s Choice (150 Ohm) |
Musik | „Duet“ |
Downloadgröße | 130,9 mb |
Recorder | Nagra VI |
Klangbibliothek.
Tonabnehmer | van den Hul The Crimson |
Tonarm | SME V |
Verkabelung | Forceline |
Phonostufe | Einstein The Turntable‘s Choice (150 Ohm) |
Musik | „Griff“ |
Downloadgröße | 157,8 mb |
Recorder | Nagra VI |
Vertrieb
Blumenhofer Acoustics
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Anschrift | Hölden 2 86877 Walkershofen |
info@blumenhofer-acoustics.com | |
Web | www.blumenhofer-acoustics.de |
Mit 3600 Euro für das Paar liegt der Blumenhofer Acoustics Tempesta 17 Stand-Lautsprecher in einem konkurrenzreichen Preissegment. Er ist eines der Einstieg-Modelle in die höchst interessante Blumenhofer-Welt.
Beim Besuch der etablierten HiFi-Ausstellungen der letzten Jahre war ich mehrfach angetan von den Vorführungen Volker Bohlmeiers, dem Chef der Einstein Audio Components GmbH. Meist war es Blues, der in angenehmer Lautstärke mit einer auffälligen, ungewöhnlichen Ruhe vorgetragen wurde. Das war für mein Messe-gestresstes Ohr geradezu erholsam gegenüber manch anderer Präsentation. Da Einstein Audio ja keine eigenen Lautsprecher fertigt, spielte in der Kette ein hochpreisiges Modell aus dem Hause Blumenhofer Acoustics. So begann mein Interesse an diesem Hersteller und auf der Highend 2014 fragte ich den für den Vertrieb zuständigen Kopf bei Blumenhofer, Dr. Ing. Andrea Vitali, nach einem Test in Hifistatement. So kam es, dass jetzt seit ein paar Wochen ein eingespieltes schwarzes Paar Tempesta 17 in meinem Musikzimmer seinen Platz hat. Dessen Stellplatz hat Armin Kern genau ermittelt, ein langjährig erfahrener Vertriebs- und HiFi-Fachmann, dessen Gesicht und fachlich kompetente Art vielen von Ihnen durch Besuche auf dem Stand von Project und AudioTrade bekannt sein dürfte. Als Handelsvertreter kümmert sich auch um den Verkauf der Blumenhofer Acoustics Lautsprecher. Daher verbrachte Armin Kern einige Zeit mit Aufstellen, Hören und Korrigieren in meinem Musikzimmer – wie das eben so sein sollte, wenn man den bekannten und angestrebten Klang in einer unbekannten Umgebung erreichen möchte. Verkabelt wurde meine Spectral Endstufe mit 3,5 Metern Supra Lautsprecherkabel aus dem Vertriebs-Portfolio von Armin Kern. Eine knappe Stunde ging mit der Aufstellung und Feinjustage der Tempesta 17 ins Land. Erst als er mit dem Ergebnis zufrieden war und wir abschließend gemeinsam Four Drummers Drumming, CD RIFF 902-2, hörten, gab´s ein Bier. Aber schon während der Installations-Arbeit erkannte ich ihn wieder: diesen angenehm relaxten Sound. Klasse, das hatte ich mir gewünscht.
Blumenhofer Acoustics ist ein deutsches Unternehmen, das ursprünglich professionelle Beschallung im Naturpark Augsburgs Westliche Wälder entwickelte und herstellte. Thomas Blumenhofer, der Firmengründer und -inhaber, ist dort aufgewachsen. Seine Aufgabenfelder sind die Entwicklung und die Produktion. Er hat sich bereits seit 1977 t durch Beschallungs-Konzepte für unterschiedliche Genres einen Namen gemach. Dazu zählt neben etlichen Discotheken unter anderem auch das Deutsche Theater in München. Es gab auch eine Zeit, es waren die 80er Jahre, in der man sich mit Car-HiFi und maximalen Schallpegeln beschäftigte. Auch hier war Thomas Blumenhofer sehr erfolgreich, gewann Wettbewerbe und schaffte mit seinem als Rekordhalter registrierten ehemaligen Mitarbeiter Wolfgang Fischer einen Spitzen-Schalldruck von 177,7 Dezibel! Die akustisch optimale Lösung bei individuellen Voraussetzungen ist ein tragender Aspekt bei der Entwicklung seiner Lautsprecher. Dies gilt natürlich nicht nur für Großprojekte, sondern in gleicher Weise auch für den Hörraum des Musikliebhabers zuhause. Im Jahre 2001 lernten sich Thomas Blumenhofer und der Marketing-Profi Dr. Andrea Vitali kennen. Seit 2009 steht Andrea Vitali dem kreativen Kopf im Unternehmen zur Seite und sorgt mit Enthusiasmus auf Messen und im Handel weltweit erfolgreich für die Popularität der Marke. Wüsste man nicht um die Konstellation im Hause, so würde man ihn leicht für den Entwickler selber halten. Nach außen ist halt er „Mister Blumenhofer“.
Äußerlich ist die Tempesta 17 schlank, schön schlicht und sehr sauber verarbeitet. Sie ist ohne Spikes 95 Zentimeter hoch. Die Front verläuft schräg, so dass die Säule unten 24,75 und oben 20 Zentimeter tief ist. Selbstverständlich hat diese abgeschrägte Front akustische Gründe. Am Boden der Tempesta 17 verlaufen vorn und hinten Stahlstreben. Die hintere ragt an jeder Seite 3,8 Zentimeter über das Gehäuse hinaus und fasst auf beiden Seiten einen Spike. Am vorderen Träger, der mit dem Gehäuse abschließt, sitzt der Spike mittig. Durch die Spikes lässt sich problemlos eine stabile Aufstellung erreichen. Darüber hinaus können erfahrene Hörer die Schallwand durch unterschiedliche Höhe der Spikes vorn und hinten noch leicht in ihrer frontalen Neigung verändern. So tat es auch Armin Kern, als er die Tempesta 17 in meinem Raum einrichtete. Das ist Feinarbeit auf hohem Niveau und kann, je nach Gegebenheiten am Hörplatz, eine Verbesserung mit sich bringen. Ausgehen würde ich aber stets von einer Ausrichtung der Lautsprecher mit einer Wasserwaage oben auf dem Gehäuse.
Sehr breit ist die Tempesta 17 nicht. Das Gehäuse misst nur 19,5 Zentimeter. Der Spikes-Ausleger an der Rückseite bringt es auf 27,1 Zentimeter. Mit ihren 16 Kilogramm ist die Tempesta 17 problemlos bewegbar. Nun haben die Spikes aber noch eine dritte Aufgabe: Zusammen mit den Stahlträgern und den dicken Spike-Unterlegplatten aus Edelstahl, die zum Lieferumfang gehören und dafür sorgen, dass Ihr Fußboden keinen Schaden nimmt, definieren sie den Abstand zwischen Box und Boden. Der ist wichtig für das Abstrahlverhalten aus der unten im Gehäuse platzierten rechteckigen Bassreflex-Öffnung. Dieses Downfire-Konzept garantiert eine gleichförmige Entfaltung des Bassdrucks in alle Richtungen.
Thomas Blumenhofer hat über die Zeit eine etwas erklärungsbedürftige Modellpalette entwickelt. Auffällig ist zum einen, dass sich die Produktlinien preislich erheblich überschneiden und zum anderen, dass er Preisklassen unabhängig Bassreflex- und Backloaded-Horn-Konzepte anbietet. Die Begründung ist ebenso logisch wie Kunden-orientiert. Denn die unterschiedlichen Tiefton-Lösungen stellen unterschiedliche Anforderungen an die Aufstellungen zuhause im Musikzimmer des Kunden. Das Bassreflex-Konzept, wie es auch in unserer Tempesta 17 angewandt wird, stellt deutlich weniger hohe Ansprüche an die Platzierung und ermöglicht so leicht die Integration ins heimische Wohn-Ambiente.
Schaut man sich die Tempesta 17 von unten an, so fällt auf, dass nicht, wie vielfach üblich, ein Plastikrohr als Bassreflex-Öffnung den Schall austreten lässt, sondern eine breite, rechtwinklige Öffnung im MDF-Gehäuse, also ein Luftkanal, für bestmögliche Ankopplung sorgt. Blumenhofer Acoustics bezeichnet diese Ankopplung als divergenten Tunnel, dessen Vorteil neben dem großen Ankopplungsfläche der ausströmenden Luft vor allem deren höherer Druck beim Auslass bei gleichzeitig langsamerer Luftgeschwindigkeit ist. So soll die externe Raumluft im Tiefbass bestmöglich angeregt werden. Direkt neben dieser Tunnel-Öffnung befindet sich die verschraubte Bodenplatte, hinter der die Frequenzweiche in einer separaten Kammer untergebracht ist, um sie vor den Turbulenzen in der Schallführung zu schützen. Die Frequenzweiche ist frei verdrahtet und beinhaltet keinerlei Komponenten zur Korrektur des Impedanzverlaufs. Rückseitig nimmt ein Paar Anschlüsse aus vergoldetem Tellurium-Kupfer Bananenstecker, Gabelschuhe oder freie Kabelenden auf.
Die Entwicklungen im Hause Blumenhofer Acoustics basieren auf den Vorteilen weniger Wege. Klar ist zweifelsfrei: je weniger Wege, desto weniger Übernahme-Probeme einmal durch die Frequenzweiche als auch durch die unterschiedlichen akustischen Eigenschaften der benachbarten Chassis. So ist unsere Tempesta Standbox ein Zwei-Wege-Konzept mit zwei Chassis. Als Tieftöner arbeitet ein 17 Zentimeter Treiber. Dieses ist eine gemeinsame Entwicklung von Blumenhofer und dem Hersteller Audio Technology Engineering in Neu-Ulm, gefertigt bei Ehmann und Partner. Ein individuelles Merkmal dieses Basses ist die Sandwichmembran aus zwei Peek-Folien® von Victrex mit dazwischen liegender Karbonschicht, patentiert als P2C. Eine wichtige Eigenschaft dieses Materials ist neben seiner Leichtigkeit und der daraus resultierenden Schnelligkeit seine Festigkeit. Diese ist vonnöten, da vor allem rückwärtig im Gehäuse die Druckveränderungen Partialschwingungen erzeugen können, wenn das Membranmaterial nicht perfekt steif ist. Das Hochton-Horn ist das äußerlich auffälligste Teil der Tempesta: Der Kenner identifiziert sie allein daran als Blumenhofer-Lautsprecher. Das so typische Horn besteht aus dem 35-Millimeter-Antrieb mit Mylar-Membran und dem Druckkammer-Vorsatz, der die besondere Blumenhofer-Klangqualität in erheblichem Maße mitgestaltet. Der Hornvorsatz ist von Thomas Blumenhofer und seinem Team in messtechnischen und akustischen Testreihen über lange Zeit entwickelt worden. Das Ziel ist klar: Live-Dynamik gepaart mit Natürlichkeit der Klangfarben ohne jegliche Verfärbungen , die man bei Hörnen anderswo immer wieder findet.
Kommen wir zum Höreindruck. Nachdem Armin Kern die Tempesta 17 bei mir nach seiner Erfahrung optimal aufgestellt hatte, hörte ich einige Musikstücke, tauschte dann aber recht bald das Supra-Kabel gegen mein QED Genesis. Bei der Bewertung wollte ich die Einflüsse des mir unbekannten Kabels vermeiden. Und: Das QED brachte etwas mehr Licht in die oberen Lagen und klang für mich etwas gefälliger und auch gewohnter, vielleicht im Gegenzug einen Tick weniger geschlossen als das Supra. Mit beiden Kabel-Varianten war der erste Eindruck sehr entspannend. So gefiel mir meine Dark Side Oft The Moon von 1973, die sicher nicht die beste Version dieses musikalischen Meilensteins ist, ausnehmend gut, weil Dynamik, Exaktheit, Präzision und Timing mich richtig anmachten. Don McLeans American Pie (AUS 29285I) stellte die Tempesta 17 mit ungewöhnlich ehrlichem Gitarrenklang und herrlichem Timbre der Stimme so selbstverständlich in den Raum, dass ich mir die komplette LP gleich zweimal anhörte. Danach hatte ich die Lockerheit, Spritzigkeit und Klangfarbenpracht bei „Children's World“ von Maceo Parkers Roots Revisited beinahe schon erwartet. Igor Stravinskys Pulcinella Suite mit Neville Marriner von 1968 sprühte an Detailreichtum und Dynamik. Egal was ich der Tempesta 17 vom CD-Spieler, Rechner oder Plattenspieler vorsetzte, sie machte daraus ein Erlebnis. Ich musste in der Zeit, in der die Tempesta bei mir zuhause stand, einige Tage nach Weimar. Die Gelegenheit nutzte ich, um mehrfach in verschiedenen Konzertsälen Schüler-Darbietungen zu hören. Dort präsentieren Schüler unterschiedlicher Ausbildungsstufen an Violine, Cello, Flügel, Horn, Querflöte oder Gitarre ihr Können und üben so auch ihr öffentliches Auftreten. Wie unterschiedlich Violinen klingen, abhängig vom eigenen Charakter, aber auch von der Spielweise, wie wenig monströs ein Steinway & Sons Flügel im Konzertsaal klingt und wie „groß“ dagegen eine Querflöte sein kann – das ist ganz anders als bei vielen HiFi-Reproduktionen. Warum ich dies erwähne? Dieser Blumenhofer Lautsprecher ist erstaunlich dicht an diesem Live-Klanggeschehen.
Tempesta bedeutet auf Italienisch Sturm. Da denke ich unwillkürlich an das JBL-Plakat aus vergangenen Jahren, wo sich der Zuhörer vor den Speakern im Sofa sitzend festklammert und seine Haarpracht waagrecht nach hinten im Wind steht. So stürmisch ist die Tempesta 17 nicht. Die Rolling Stones fetzen aber, wie ich´s mir wünsche und mit 88 Dezibel Wirkungsgrad kann man es gut krachen lassen, wenn man mag. Aber, so glaube ich, dafür wurde die Tempesta eigentlich nicht gebaut. Das ist ihr zu wenig. Vielleicht ist sie auch nicht Everybody´s Darling und gefällt nicht dem Bassdruck- und Hochton-Fetischisten. Sie ist für die Menschen gemacht, die hinhören, die Feinheiten lieben, nicht das Vordergründige, aber das Vielschichtige, nicht das Aufdringliche, dafür das Klare und Ehrliche. Die Tempesta 17 kann jede Art von Musik und dies auch hervorragend bei leisen Lautstärken. Sie reagiert auf diverse Verstärker. Ich habe Röhren und unterschiedliche Transistor-Verstärker benutzt. „Feingeistige“ Zuspieler mag sie besonders gern, damit läuft sie zur Höchstform auf.
Gehört mit
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Computer | Apple MacMini, OS X 10.6.8 |
Audioplayer | Amarra 2.4 und Audirvana Plus |
CD-Player | Primare DVD 30 |
Wandler | Antelope Zodiac Plus |
Plattenspieler | Kenwood KD-990 mit Kunststeinauflage |
Tonabnehmer | Clearaudio DaVinci |
Phonostufe | Plinius Koru |
Vorverstärker | T+A P-10 mit Audioplan Sicomin Röhrendämpfern |
Endstufen | Spectral DMA 100 S mit Enacom-Cinch für Mittelhochton, NAD 2200 PE, Air Tight ATM-3 mit Audioplan Sicomin Röhrendämpfern |
Lautsprecher | Triangle Magellan Grand Concerto sw2 (Bi-Amping) |
Zubehör | Audioquest Diamond USB, Inakustik Black&White NF-1302, Mogami 2549, QED Genesis Silver Spiral mit Enacom LS, MudrAkustik Max Netzleiste, Mudra und Audioquest NRG-X2 Netzkabel, AHP Reinkupfer-Sicherungen, Groneberg Wandsteckdosen, mbakustik Raum-Absorber |
Möbel | Creaktiv Audio mit Absorberböden |
Herstellerangaben
Blumenhofer Acoustics Tempesta 17
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Gehäuse | MDF |
Materialdicke | 19mm / 0,75" |
Frequenzgang | 45Hz - 20kHz ± 2dB |
Tiefmitteltöner | 170mm / 6,5" |
Bassmembrane | Peek-Carbon - patentierte P2C® Sandwich-Membrane |
Bass Gehäuse | Zum Boden abstrahlendes Bassreflex Gehäuse |
Bass Reflex | Divergentes Tunnel |
Übergangsfrequenz | 1800 Hz |
Mittelhochtöner | Kompressionstreiber |
Horn | 1" |
Membranendimension | 35mm / 1,4" |
Material | Mylar |
Belastbarkeit | 100 W RMS |
Wirkungsgrad | 88 dB |
Impedanz | 8 Ohm |
Anschlussfeld | Single-Wiring |
Material | Vergoldetes Tellurium Kupfer |
Füße | Spikes |
Maße | 950/270/248 mm |
Gewicht | 16 kg |
Vertrieb
Blumenhofer Acoustics
| |
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Anschrift | Hölden 2 86877 Walkershofen |
info@blumenhofer-acoustics.com | |
Web | www.blumenhofer-acoustics.de |
Hersteller
Aqua Acoustic Quality
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Anschrift | Via Luciano Manara 17 20122 Milano |
Noch’ n Gedicht... oder besser gesagt, schon wieder ein DAC? Klar! Die Suche geht weiter, gibt es nicht Unmengen an D/A-Wandlern, die völlig uninspiriert, leblos und steril Musik machen? Signore Anelli hat sich fest vorgenommen, dies zu ändern!
Die Mailänder Firma Aqua hat nun nichts mit dem Städtischen Wasserwerk zu tun, sondern dies ist ein Wortspiel mit der Abkürzung von Acoustic Quality. Der deutsche Vertrieb hat uns für den Test neben dem großen DAC auch das dazu passende CD Laufwerk geliefert. Das Äußere mit den abgerundeten Formen ist schon einmal sehr ansprechend, eine gefällige Form ist nun durchaus etwas, was der Szene gut tut. Und was man bei einem Produkt aus Bella Italia auch irgendwie erwarten würde. Aber wie sieht es denn nun im Inneren aus?
Ein Blick ins Innenleben des Wandlers zeigt sofort, dass es die Italiener ernst meinen und keine Kompromisse eingehen wollen, beziehungsweise an irgendeiner Stelle Geld sparen wollen. Zunächst einmal fällt eine Vielzahl von Platinen auf, sieben an der Zahl. Dies hat einen ganz einleuchtenden Grund, wenn es in irgendeinem Bereich Verbesserungen gibt, dann kann die entsprechende Platine leicht gewechselt werden, ein komplett neues Gerät ist somit nicht erforderlich. La Scala kann somit in der schnelllebigen Digitalzeit immer auf dem neuesten Stand gehalten werden. Zudem fällt sofort auf, dass die sieben Platinen alle mit diskreten Bauteilen bestückt sind. Keine OP-Amps weit und breit! Das macht alles einen sehr sauberen und durchdachten Eindruck.
Mein erster Blick gilt immer der Stromversorgung, wenn ich hier nach dem Transformator suchen muss nach dem Motto: Ja wo isser denn? Dann gibt das gedanklich schon einmal Minuspunkte. Aqua lässt hier aber nichts anbrennen und legt die Stromversorgung schon einmal getrennt für Digital- und Analogteil aus. Zwei relativ große Schnittkern-Transformatoren werden hierfür eingesetzt. Auch die Gleichrichtung ist aufwändig gemacht und besteht aus diskreten Bauteilen.
Als DA Wandlerchip kommt mein Favorit, der bewährte BurrBrown 1704 R2R-Ladder-DAC zum Einsatz, hier in der höchsten Selektionsstufe „K“. Pro Kanal werden zwei dieser Chips eingesetzt und dieses Mal nicht parallel geschaltet, sondern in einer Differenzial-Schaltung. Zudem umgeht Aqua das im Chip integrierte digitale Filter: DFD, Direct From Decoder heißt das dann auf Neudeutsch. Mit diesem doch schon betagten Chip ist eine Abtastrate von 24/192 realisierbar. Man muss sich einmal überlegen, der Chip wird schon seit langem nicht mehr gebaut, die Firmen (und das sind nicht wenige), die diesen Chip trotzdem weiter verwenden, müssen sich mit entsprechenden Lagerbeständen eindecken. Das muss doch irgendeinen Grund haben. Eigentlich ist die Schlacht gegen den ein-Bit Wandler verloren, aber sogar die Chips der ersten Stunde wie TDA 1541 oder 1543 werden noch immer mit großem Erfolg eingesetzt. Oder noch anders, Firmen wie MSB oder TotalDAC bauen die Wandler nach dem R2R-Prinzip diskret mit einzelnen Präzisionswiderständen auf!
Eine weitere Spezialität findet man hier bei dem Strom/Spannungs-Konverter, wir erinnern uns, ein DAC Chip liefert zwar Strom, aber kaum Spannung. Ausnahmen gibt es natürlich, wie bei dem diskret aufgebauten Wandler von TotalDAC. Jedenfalls muss normalerweise der gelieferte Strom in Spannung umgewandelt werden, üblicherweise mit Hilfe eines OP-Amp oder auch passiv über Widerstände. Aqua hat hier eine andere Lösung gefunden, die Umwandlung ist zwar ebenfalls passiv, wird aber von einem Transformator übernommen. Das hat natürlich zusätzlich den Vorteil, dass auf diesem Weg eine Trennung von digitalem zu analogem Bereich entsteht.
In der Ausgangsstufe werkeln zwei Doppeltrioden vom Typ ECC81/12AT7 in Kombination mit einem MosFet. Die ECC81 wurde ursprünglich für UKW-Anwendungen konstruiert, liefert aber im NF Bereich ebenfalls gute Ergebnisse. Alles natürlich ohne Gegenkopplung. Für den Cinch-Ausgang wird nur eine Hälfte der Doppeltriode benötigt, bei dem symmetrischen XLR-Ausgang werden natürlich beide Hälften eingesetzt. Aqua gibt für diese Röhren in dieser Schaltung Standzeiten von 10.000 Stunden an. Damit kann ich leben! Ein weiteres Feature findet man auf der Frontplatte, nämlich einen Umschalter für die absoluten Phase. Idealerweise bewegt sich die Lautsprechermembran bei einem positiven Impuls nach vorne. Wenn aber bei der Aufnahme geschlampt wurde, kann es auch einmal umgekehrt sein. Dies äußert sich dann in einer weniger dynamischen Wiedergabe. Das macht sich natürlich bei geschlossenen Gehäusen am deutlichsten bemerkbar, aber auch bei meiner offenen Schallwand ist klar zu hören, welche Einstellung die bessere ist.
Eine Bemerkung am Rande: Der DAC liefert an den Cinch-Ausgängen 2,6 Volt Spannung, also deutlich mehr als üblich. Das kann in Verbindung mit einem Hochwirkungsgrad-Lautsprecher dazu führen, dass sich der Lautstärkeregler ständig im unteren Regelbereich befindet. Der Wandler ist für insgesamt vier unterschiedliche Quellen ausgelegt, die sich mit einem Schalter auf der Frontplatte wählen lassen. Zum einen für einen Computer als Quelle via USB, zum anderen für das hauseigene CD-Laufwerk La Diva via I2S. Das I2S-Protokoll soll gegenüber der S/PDIF-Verbindung eine deutliche Verbesserung der Datenübertragung bieten. Im Gegensatz zu S/PDIF werden dabei die Audiodaten und der Takt über unterschiedliche Leitungen übertragen und somit muss dann der Takt nicht nachträglich aus dem Datenstrom herausgefiltert werden. Allerdings sind die Anschlüsse wieder einmal nicht genormt, so dass in diesem Fall nur das hauseigene Laufwerk betrieben werden kann. S/PDIF und AES/EBU Anschlussmöglichkeiten sind natürlich ebenfalls vorhanden.
Das Laufwerk hört auf den Namen La Diva; hm, die Göttliche? Oder doch eher zickig? Wir werden sehen, jedenfalls macht es rein äußerlich schon mal den gleichen hervorragenden Eindruck wie der Wandler. Das Laufwerk ist als Toplader konzipiert, die eigentliche Laufwerkseinheit ist auf einem Subchassis gelagert, um Vibrationen von außen zu minimieren. Nett finde ich auch die Kippschalter zur Bedienung der Laufwerksfunktionen, diese erinnern ein bisschen an Audio Research. Allerdings hat Audio Research bei seinem neuen CD-Spieler auch die üblichen Drucktasten verwendet. Kleine Kuriosität am Rande: Wenn man bei eingelegter CD die „next“ Taste betätigt, passiert gar nichts. Erst wenn man auf „start“ gedrückt hat, lassen sich einzelne Titel überspringen. Mit der Fernsteuerung gibt es dieses Problem natürlich nicht.
Interessanterweise wird auch hier ein Bauteil verwendet, dessen Produktion bereits eingestellt wurde: das Philips CD-Pro2-Laufwerk. Damit wird es langsam eng mit CD-Laufwerken im oberen Qualitätsbereich. TEAC, Accuphase und C.E.C. bauen ihre Laufwerke selbst, sind aber nicht bereit, diese an andere Hersteller zu verkaufen. Stream Unlimited in Österreich würde mir da noch als Anbieter einfallen. Aqua wird sich wohl mit genügend Ersatzlaufwerken eingedeckt haben, aber die Produktion bleibt natürlich trotzdem limitiert.
Nun wird sich der eine oder andere Leser wundern, ein CD Laufwerk im 21. Jahrhundert? Wie antiquiert sind die denn? Braucht das überhaupt noch einer? Da haben vorwiegend amerikanische Autoren gute Vorarbeit geleistet und den Tod der CD förmlich herbei geschrieben. Seltsamerweise erweist sich das Medium als wesentlich zäher als angenommen, dazu reicht ein Blick in die Münchener Schallplattenläden, so hießen die ja früher. Apropos Schallplatten, kommt einem das ganze Theater nicht irgendwie bekannt vor? Nun gibt es nicht nur unverbesserliche Nostalgiker, die einfach ein physisches Medium in der Hand halten wollen, sondern offenbar auch jede Menge Hörer, denen die Wiedergabe über einen Computer zu steril klingt. Oder besser zu „digital“? Auch unsere Freunde vom polnischen Magazin High Fidelity sind der Meinung, dass sich mit einem geeigneten CD-Laufwerk jede Anlage, unabhängig vom Preis, optimieren lässt. Einen sehr interessanten Artikel zu diesem Thema veröffentlichen wir in einer der nächsten Ausgaben von Hifistatement.
Lassen wir doch einfach einmal die technische Limitierung des Redbook Formats und den ganzen theoretischen Krempel weg und hören uns einfach einmal an, was die beiden Geräte zu bieten haben. In einem ersten Schritt habe ich zunächst den Wandler an mein Ayon CDT Laufwerk angeschlossen. Von den vier verschiedenen Anschlussmöglichkeiten, die La Scala zu bieten hat, habe ich die AES/EBU-Verbindung gewählt. Leider besitze ich keine digitale Aufnahme aus dem Teatro alla Scala in Mailand, was sich hier irgendwie angeboten hätte.
Deshalb habe ich einen alten Brüller aus der Jazzszene ausgewählt, nämlich „Take Five“ aus der CD Time Out mit dem Dave Brubeck Quartet. Hier in einer K2 HD Überspielung von Sony, die normale CD ist nicht so toll. Nachdem ich diese Musik gefühlte 30 Jahre nicht mehr gehört hatte, macht sie jetzt sogar wieder Spaß. Brubecks Musik war bekannt für die ungeraden Metren, hier ein 5/4 Takt, daher auch die Bezeichnung „Take Five“. Brubeck hat den bis dato üblichen 4/4 Takt („Time“) ausgeschaltet, daher stammt auch der Name der LP: Time Out.
Schon nach den ersten Takten bekommt man ein Gefühl, wo die Reise lang gehen könnte: Musikhören macht Spaß mit dem Wandler! Das Schlagzeug kommt sehr kraftvoll rüber, genauso die etwas hölzerne Spielweise von Brubeck, trotzdem bleibt der fast zerbrechliche Ton von Paul Desmonds Saxophon wunderbar erhalten. Die Musiker rücken etwas mehr in den Vordergrund, sie haben sich gewissermaßen in den eigenen vier Wänden breit gemacht. La Scala kann mit einer hervorragenden Auflösung aufwarten, sehr gut kann man dies auf dieser CD bei dem Schlagzeuger Joe Morello hören: er spielt – wie es im Jazz damals üblich war – nur ein Standard Drum Set, also nicht diese riesig aufgeblähten Schießbuden, wie sie heutzutage üblich sind. Deshalb kann Morello die Vielfalt der Klangfarben allein durch seine Spieltechnik erzeugen. Und da hat er einiges zu bieten, was uns La Scala auch sehr detailliert präsentiert; man kann ihm förmlich auf die Finger schauen. Meine bessere Hälfte kam anschließend um die Ecke und meinte anerkennend: klingt super!
Als nächstes – und gerade noch rechtzeitig zur Fußball WM – kommt die deutschstämmige Brasilianerin Astrud Gilberto zum Zug. Sie war in den 60-er Jahren eine Vertreterin des Bossa Nova und seinerzeit ziemlich bekannt. Wenn jetzt die älteren Leser unter uns an „Schuld war nur der Bossa Nova, lalala...“ denken, liegen sie hier völlig falsch, Gilberto kann richtig singen. Könnte aber vielleicht als Entschuldigung für das Ausscheiden der Brasilianer bei der WM herhalten. Ausgesucht hatte ich den Titel „Berimbau“ aus der CD Look to the Rainbow. Bei der Berimbau handelt es sich um ein perkussives, einsaitiges Rhythmusinstrument aus Brasilien. Die Saite (meistens aus einem alten Autoreifen) wird dabei auf einen Bogen gespannt und mit einem Holzstäbchen angeschlagen. Dies erzeugt einen unverwechselbaren, leicht schnarrenden Ton. Das Instrument ist im Intro sehr klar zu hören, über La Scala wird es zudem auch plastisch abgebildet, was oftmals wegen des kaum vorhandenen Instrumentenkorpus nur diffus zu hören ist. Wunderbar wird anschließend die Stimme von Gilberto wiedergegeben, die ein bisschen an Cool-Jazz erinnert. Gilberto bewegt sich hier nur innerhalb einer Oktave Tonumfang. Schließlich kommt im Hintergrund noch das Gil Evans Orchester dazu. Hier kann man jetzt sehr deutlich hören, dass die Aufnahme nicht zur selben Zeit am selben Ort gemacht wurde, sondern einzelne Tracks später zusammengefixt wurden. Wie das heutzutage ja schon Gang und Gäbe ist. Die Bläsergruppen sind allerdings sehr authentisch aufgenommen worden und werden auch so wiedergegeben. Evans hatte ja durch den Einsatz von – für den Jazz – ungewöhnlichen Instrumenten wie Waldhorn, Oboe und Tuba einen ganz typischen dunklen Orchesterklang kreiert, an dem sein Orchester sofort erkannt werden konnte. Dies kann die Italo-Gang sehr strukturiert und mit sehr vielen Klangfarben wiedergeben. Toll!
Noch ein Klassiker, Friday Night in San Francisco mit den Gitarristen Al di Meola, John Mc Laughlin und Paco de Lucia. Sonst nix! Das Konzert stand wohl unter dem Motto: Wer zuerst fertig ist, darf heimgehen. Anders kann man sich sonst die Hochgeschwindigkeits-Spielweise nicht erklären. Jedenfalls hören wir beim ersten Titel „Mediterranean Sundance“ Al di Meola im linken Kanal und Paco de Lucia im rechten. Was La Scala superdeutlich zeigt ist folgendes: Meola spielt auf einer Ovation Gitarre mit Stahlsaiten und einem Plektrum, de Lucia natürlich auf einer Flamenco Gitarre mir den Fingern. Die viel größere Ovation macht deutlich mehr Druck und klingt durch den Anschlag mit dem Plektrum härter, die Flamenco-Gitarre ist etwas leiser, bietet aber viel mehr Klangfarben. Durch die exzellente Spieltechnik von de Lucia wird hier natürlich ebenfalls ein Brillantfeuerwerk abgebrannt. Eine andere Stärke des Wandlers kann man mit dieser Aufnahme ebenfalls hören, die Engländer nennen das PRaT, Pace, Rhythm and Timing. Die Musiker spielen alle auf den Punkt genau mit einer gigantischen Dynamik, und so kommt es auch rüber! Ich kenne hiervon sowohl LP als auch CD, aber der DAC kann hier noch etwas anderes vermitteln, nämlich die Faszination, die ein derartiges Livekonzert ausmachen kann. Oftmals hört man bei dieser Aufnahme nur irgendein Geschwurbel, wo man sich am Schluss fragt, was das Ganze eigentlich soll. Allerdings muss der Rest der Anlage natürlich auch mithalten können.
Eine Bemerkung noch am Rande: La Scala besitzt neben den Cinch-Ausgängen auch noch symmetrische Ausgänge, die ich allerdings nicht nutzen konnte, da meine Röhrenvorstufe keine symmetrischen Eingänge besitzt. Im nächsten Schritt habe ich dann das hauseigene Laufwerk La Diva mit dem Wandler verbunden; um gleiche Voraussetzungen zu haben, zunächst ebenfalls über die AES/EBU Verbindung. Im Vergleich zu vorher hat die Wiedergabe etwas weniger Druck, wirkt dafür aber filigraner, eleganter. Trotzdem denke ich, dass La Diva nicht ganz die dynamischen Fähigkeiten des Wandlers auslotet. Die Musiker sind noch einen Schritt weiter nach vorne getreten. Insgesamt würde ich sagen: Geschmackssache. Bei „Take Five“ kann der Wandler eigentlich mehr Druck machen, ähnliches gilt für „Mediterranean Sundance“, andererseits ist die Stimme von Gilberto jetzt noch geschmeidiger und leichtfüßiger. Die dreidimensionale Abbildung der Musiker gelingt mit dem Ayon besser, dafür kann La Diva die Dimensionen des Konzertsaals besser abbilden. Wie gesagt: Geschmackssache. Und jammern auf allerhöchstem Niveau. Um dies weiter auszuloten habe ich noch eine Barockaufnahme mit Trevor Pinnock herausgesucht: Arcangelo Corelli Concerto Grosso #1.
Bei dieser Art von Musik kommt die Leichfüßigkeit und Eleganz der Aqua Kombi viel besser zum Tragen, die Musik wirkt spannend und transparent und das bei einer Aufnahme der Deutschen Grammophon, die etliche Schwächen hat und diese nicht nur im Hochtonbereich. Die Musik bekommt mit den beiden Aqua-Geräten viel mehr Substanz, ansonsten kann sie nämlich schnell einmal in die Rubrik „Fahrstuhlmusik“ abgleiten. Bei großorchestralen Werken, wie beispielsweise einer Beethoven Symphonie könnte ich mir allerdings etwas mehr Volumen vorstellen. Grundsätzlich möchte ich einmal sagen, dass ich zur Beurteilung natürlich nicht nur die drei oder vier gezeigten Titel hernehme, sondern eine Vielzahl von CDs, einige von diesen kommen für bestimmte Tests immer wieder vor. Was der Musik an sich natürlich nicht besonders gut tut. Zudem nehme ich auch gerne einmal Scheiben her, die nicht 100 Prozent perfekt aufgenommen sind, einfach um zu hören, was mit den Testkomponenten noch an Substanz geboten wird.
Weiter geht’s: Wenn man nun die AES/EBU-Verbindung durch das I2S-Kabel ersetzt, tut sich noch einmal einiges, oder anders ausgedrückt, dies ist die klar bessere Verbindung. Was man allerdings erst im direkten Vergleich mit dem AES/EBU-Kabel hört. Die Instrumente klingen noch freier und luftiger, der Raum wirkt noch etwas größer. Allerdings kommt bei Aufnahmen, die einen etwas aggressiven Hochtonbereich haben, dies auch sehr deutlich so rüber; da kann allerdings die I2S-Verbindung nichts dafür. Die AES/EBU Verbindung ist hier etwas gnädiger. Wenn ich mich nun zwischen den beiden Geräten entscheiden müsste, würde ich zunächst zum Wandler greifen. Dieser prägt in entscheidendem Maße den Klang der Kombination und dürfte in jeder Kette eine gute Figur machen.
Gehört mit
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Digitallaufwerk | Ayon CDT |
D/A Wandler | Borbely Audio |
Laufwerk | Apolyt |
Tonarm | Triplanar |
Tonabnehmer | Clearaudio Goldmund, Van den Hul Grashopper |
Vorstufe | Shindo Monbrison |
Endstufe | Thomas Mayer 211SE Elrog, 6HS5 PSE, Shindo Cortese |
Lautsprecher | WVL 100i, Ancient Audio Studio Oslo |
Kabel | Audio Consulting Reference RCA, Swisscables Reference NF, Swisscables Reference LS, Auditorium23 LS, Swisscables Netz, VertexAQ Hirez Netz, VertexAQ Hirez Netzleiste |
Zubehör | LeadingEdge Gerätebasis, LeadingEdge Minipaneele |
Herstellerangaben
La Scala
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Gewicht | 9 kg |
Höhe | 100 mm |
Breite | 450 mm |
Tiefe | 370 mm |
Preis | 4980 Euro |
Herstellerangaben
La Diva
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Gewicht | 10 kg |
Höhe | 100 mm |
Breite | 450 mm |
Tiefe | 370 mm |
Preis | 7560 Euro |
Hersteller
Aqua Acoustic Quality
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Anschrift | Via Luciano Manara 17 20122 Milano |
Vertrieb
Hörgenuss für Audiophile
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