Kurz bevor ich aus beruflichen Gründen nach Paris aufbreche, beende ich passend den Test des Kompaktlautsprechers Apertura Swing. Die Manufaktur von Apertura liegt etwa eine halbe Autostunde nördlich von Nantes. Insgesamt leider etwas zu weit entfernt für einen schnellen Besuch aus Paris.
Angezogen durch die französische Musik und insbesondere die Folk-Szene, werde ich mich in Zukunft aber sicher noch öfter in Frankreich aufhalten und bestimmt auch mal „um die Ecke“ sein und bei Apertura auf der Matte stehen. Bis dahin muss aber der Höreindruck in den eigenen vier Wänden genügen und der hat es in sich. Grundlegend ist der Swing schnell vorgestellt. Auf den ersten Blick ist er ein klassischer Zweiwege-Lautsprecher und mit seiner Grundfläche von 31 mal 19 Zentimetern und einer Höhe von 28 Zentimetern wirklich sehr kompakt. Auf den zweiten Blick hinter die magnetisch befestigte Staubschutzabdeckung fällt der Hochtöner ins Auge – zum Glück nur sinnbildlich. Mit seinem für einen Hochtöner ungewöhnlichen Mitteldorn hat er im Auge auch wirklich nichts zu suchen. Der Mitteldorn, präziser Phase-Plug, lässt erkennen: Es handelt sich um einen Ringradiator, in diesem Fall von Peerless respektive Tymphony. Entgegen der vergleichsweise großflächigen Membran eines klassischen Kalottenhochtöners schwingt bei einem Ringradiator eine kleinere Membran zwischen der äußeren Aufhängung und dem Phase-Plug in der Mitte. Dieses Modell verfügt auf der Rückseite über eine Bedämpfungskammer und einen sehr linearen Frequenzgang ab 1000 Hertz bis weit jenseits von 20 Kilohertz. Die Ankopplung an den 16-Zentimeter-Tiefmitteltöner von Seas aus Norwegen gelingt durch die hohe Linearität auch im niedrigeren Frequenzbereich laut Apertura besonders gut.
Der Hochtöner ist somit nicht alltäglich, aber wirklich besonders wird es erst wenn man weiß, dass hinter Apertura im Kern ein Spezialisten-Duo mit Vision steht. Christian Yvons Entwicklererfahrung speziell im Bereich der Frequenzweiche trifft auf Eric Poyers Ingenieurswissen in Sachen Mechanik, Produktion und Materialkunde. Alle Apertura Lautsprecher basieren auf ihrem über die Jahre akkumulierten Wissen. Äußerlich werden sie charakterisiert von geschwungenen Gehäuselinien. Dieser Aspekt tritt bei den Swings weniger stark zu Tage. Bei ihnen sind entgegen vollständig geschwungener Seitenwände anderer Modelle nur die hinteren Ecken abgerundet. Letztendlich dient die Rundung einer erhöhten Stabilität und Steifigkeit. Im Inneren dominiert die DRIM-Frequenzweiche, ein weiterer Kernpunkt der Apertura-Vision. Sie wird für jeden einzelnen produzierten Lautsprecher individuell auf die jeweils verbauten Treiber abgestimmt. Dazu werden noch vor dem Einbau alle Treiber auf ihre akustischen Eigenschaften vermessen und für jedes Lautsprecherpaar Treiber gewählt, die möglichst ähnliche Messergebnisse aufweisen. Die DRIM-Frequenzweiche arbeitet mit ungewöhnlich steilen Flanken. Dies soll sicherstellen, dass der Tiefmitteltontreiber über der gewählten Übergangsfrequenz von 3.500 Hertz möglichst schnell an Pegel verliert und somit keine unerwünschten Artefakte in den Hochtonbereich übersprechen und der Hochtöner seine Arbeit absolut ungestört und verfärbungsfrei verrichten kann. Vice versa soll auch der Hochtöner unter 3.500 Hertz möglichst schnell schweigen. In der Konzeption der Frequenzweiche wird außerdem berücksichtig, dass eine derart steile Flanke starke Phasenunreinheiten erzeugt, verschiedene Frequenzen also zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten das Ohr erreichen. Deshalb werden diese Phasenfehler in jeder Frequenzweiche ausgeglichen, um eine phasenkohärente Wiedergabe zu erreichen. Schlussendlich wird das Gehäuseinnere mit Dämmfilzen und Luftpolsterfolie bedämpft. Ja, sie lesen richtig – kein Scherz. Luftpolsterfolie ist die Spezialzutat Poyers für die Bedämpfung des Bassbereichs innerhalb der Lautsprechergehäuse. Sowohl die ungewöhnliche Frequenzweiche als auch die Luftpolsterfolie verdeutlichen, dass die Dinge bei Apertura wirklich anders angegangen werden.
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