So 20, 25 Plattenseiten später höre ich dann wieder ein wenig genauer hin, da ich einige lange nicht beachtete ECM-Alben von John Surman zum Einspielen herausgesucht habe. Des Saxophon, Bassklarinette und Synthesizer spielenden Engländers Duo-Album mit Jack DeJohnette, The Amazing Adventures Of Simon Simon, betört mit einer luftigen Abbildung und vollen, strahlenden Klangfarben, nicht zuletzt weil der Schlagzeuger auf einem der Titel auch ein Fender Rhodes einsetzt. „The Pilgrims Way“ versetzt den Zuhörer in einen riesigen imaginären Raum. Grund dafür ist die ECM-typische Unsitte, Perkussionsinstrumente – meist Becken, hier aber Congas – ganz extrem auf den rechten und linken Kanal mixen zu lassen. John Surmans Saxophon erklingt plastisch zwischen den Trommeln: nicht realitätsnah, aber nett spektakulär. Das erste Stück des Solo-Albums Upon Reflection beginnt mit einer beständig repetierten kurzen Synthy-Melodie auf der rechten Seite, die aber von links ganz leicht widerhallt. Dann setzt links das Baritonsaxophon ein, wieder rechts kommt die Bassklarinette hinzu, ein weiteres Saxophon füllt die Mitte und Keyboard-Linien verdichten das Klangbild weiter. Dank der feinen und präzise Auflösung von Arm und System lässt sich das Spiel auf jedem einzelnen der Instrumente leicht verfolgen. Die teils heftigen Einsätze der Blasinstrumente verströmen jede Menge Energie, kippen aber nie ins Aggressive: So wird die Scheibe aus dem Jahr 1979 zum Genuss. Das gilt auch ganz besonders für „Beyond A Shadow“, wo das Sopransaxophon über extrem tiefen, aber bestens definierten Synthy-Flächen und dunklen Bläser-Sounds brilliert: wirklich beeindruckend!
Schon mit Big Blues und den Surman-Alben macht der TRA 9 s klar, dass er der enormen Spielfreude von Einsteins The Pickup nicht im mindesten im Wege steht. Erfreulicherweise fügt er dem Klang hier auch keine eigene Färbung hinzu. Tiefbassfähigkeit und eine sehr gute Durchzeichnung stehen ebenfalls schon jetzt außer Frage. Aber ich sollte dem Arm noch einige Stündchen Zeit geben, um dann noch einmal genau hinzuhören. Doch auch jetzt ist das Classic-Records-Reissue von Richard Strauss' Also sprach Zarathustra in der Einspielung des Chicago Symphony Orchestra unter Fritz Reiner mal wieder eine Freude: Die extrem tiefen Töne der Orgel habe ich noch nie so druckvoll und definiert gehört – woran gewiss auch die Børresen 05 SSE ihren Anteil haben dürften –, die Pauken und die Blechbläser setzen darüber dynamische Akzente und vermitteln eine Vorstellung von der Größe des Aufnahmeraumes. Anders als bei der Wiedergabe von der Festplatte bleibt es diesmal aber nicht beim Anspielen der spektakulären Eingangssequenz: Die erste Plattenseite lasse ich bis zum Schluss durchlaufen. Brinkmann, Transotor und Einstein entlocken der Scheibe einfach das gewisse Etwas, das das Interesse an der Musik wachhält.
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