Sollten Sie meinen Testbericht über die beeindruckend klingenden, kleinen Lautsprecher Lignea von Franco Serblin gelesen haben sollten, haben Sie bereits einiges über beide Boaacoustic LS-Kabel erfahren. Dir haben in unterschiedlichen Konfigurationen beide ihre Vorteile beweisen können. Zwar zeigte sich unter dem Strich das Silver Actinium als Favorit, das Argon hatte aber durchaus auch mal die Nase vorn. Für mich war dies ein sehr spannender Einstieg in den Vergleich. Denn ich spreche mich nicht davon frei, dem teureren Kabel von vornherein eine höhere Erwartung entgegenzubringen. Dies, obwohl die lange Erfahrung lehrt, dass Lautsprecherkabel sehr deutlich das Klangbild prägen können. Denn sie nehmen nicht unmaßgeblich teil an der elektrischen Wechselbeziehung zwischen Verstärker und Lautsprecher.
Nun wird zuerst das Argon zwischen Spectral-Endstufe und den Quadral-Platinum M50 Lautsprechern angeschlossen. Es hinterlässt einen ausgesprochen stimmigen Eindruck, präsentiert sich als klangfarbenstark und ausgewogen. Das musikalische Bild gefällt, weil keinerlei Überzeichnungen stören. Das Argon harmoniert mit dem exzellenten Hochton-Ringradiator der Platinum und dem distinguierten Charakter der Spectral. Sowohl bei Big-Band-Jazz vom Plattenspieler, wie dem kürzlich überarbeiteten MPS-Album Clark After Dark von Clark Terry, als auch bei der bekannten „Scheherazade“ mit Fritz Rainer stellt sich sofort Hörvergnügen ein. Besonders bei diesem orchestralen Werk imponieren die Energie des Orchesters ebenso wie die Solo-Geige, weil die gestrichenen Saiten sehr präsent und mit Wärme wiedergegeben werden. Mit diesem Klangbild komme ich sehr gut zurecht, da es in hohem Maße authentisch wirkt. Das Silver Actinium kann dann aber noch mehr: Bei beiden LPs erlebe ich den Oberton-Bereich besser aufgelöst und strahlender. Die tonale Balance verschiebt sich so gut wie nicht, die Höhen sind nur klarer differenziert und erfreuen durch ihren überlegenen Glanz. Rimsky-Korsakovs wunderschönes Werk wird mit noch mehr Dynamik und verbesserter Auflösung rübergebracht. Der Klanggewinn durch das Silver Actinium ist evident. Den Entwicklern bei JIB Boaacoustic ist es dennoch gelungen, die Tonalität beider Kabel so ähnlich und mutmaßlich richtig abzustimmen, dass ein Zurück auf das preisgünstigere Argon keineswegs weh tut. Somit bereitet das Hören mit dem Argon auch nach der Erfahrung mit dem teureren Kabel großes Vergnügen. Zwar wirkt es erst einmal etwas gedeckter, darauf kann ich mich aber schnell und gern einlassen. Konzertsäle klingen schließlich auch nicht gleich und erwecken bisweilen den Eindruck stark gedämpfter Höhen. Das Mehr an Auflösung, Feindynamik und Strahlkraft, das das Silver Actinium auszeichnet, wird dennoch im direkten Vergleich deutlich.
Der nächste Versuchsaufbau verbindet die Air Tight Mono-Röhren-Endstufen mit den Analysis Audio Dipol-Strahlern. Hier binde ich zunächst das Silver Actinium ein und freue mich über das klare, tief gestaffelte Klangbild. Trotz des etwas limitierenden Antelope Wandler-Vorverstärkers stellt diese Konfiguration eine schöne Bühne in den Raum, auf der die Portugiesin Kátia Guerreiro gefühlvoll ihren Fado darbietet, begleitet von filigranem Gitarrenspiel. Ihre Stimme ist körperhaft und voller Kraft. Gleichzeitig nuanciert das Silver Actinium Gesang und Instrumente in schöner Weise, ohne zu übertreiben. Auch im Timing scheint alles bestens zu stimmen, so dass die Musik nicht nur spielt, sondern den Zuhörer mitnimmt.
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