tests/22-10-07_krell
 

Krell K300p

07.10.2022 // Dirk Sommer

Die K300p fügt sich hier auf Anhieb hervorragend ein. Den Anfang macht eine der wenigen, seit ihrem Erwerb sehr selten gehörten ECM-Scheiben: Werner Pirchner, Harry Pepl und Jack DeJohnettes namenloses Album, auf dem sich neben dem Schlagzeug die nicht alltäglichen Sounds einer Ovation mit denen von Marimba oder Vibraphon mischen. Ich habe die Platte ein wenig links liegen lassen, weil sich im Tieftonbereich recht wenig tat. Das würde ich nun nicht mehr behaupten wollen: Jack DeJohnettes Bass Drum verströmt mächtig Energie und wirkt ungemein realistisch. Dazu die spannenden, farbigen Klänge der Gitarre mit dem Kunststoffkorpus und die perkussiv gespielten Metallplättchen: Solange die Krell bei mir steht, werde ich die LP gewiss öfter hören. Ein besonderer Genuss ist auch Hajo Weber und Ulrich Ingenbolds ruhiges und melodiöses Album Winterreise. Egal ob zwei Gitarren oder nur eine plus Flöte: Die Instrumente erklingen in einem großen – virtuellen? – Raum des Studio Bauer in Ludwigsburg. Martin Wieland hat das Duo sehr dynamisch mit einer Fülle von Details eingefangen. Auch bei dieser Scheibe faszinieren die Göbel mit einer Wärme und Samtigkeit, die ich aus meinem Hörraum nicht kenne. Das liegt aber nicht im mindesten daran, dass die Krell den Sound eindicken würde. Mit 249 Ohm habe ich für das Lyra mit seinem Innenwiderstand von 5,5 Ohm einen Wert am oberen Ende des bewährten Bereichs gewählt, was sich in puncto Schnelligkeit und Lebendigkeit der Wiedergabe auch ausgesprochen positiv bemerkbar macht.

Hier hat man die Wahl zwischen dem MC- und dem MM-Eingang. Welcher nach dem Einschalten des Gerätes aktiv ist, lässt sich mit einem Schalter auf der Rückseite bestimmen
Hier hat man die Wahl zwischen dem MC- und dem MM-Eingang. Welcher nach dem Einschalten des Gerätes aktiv ist, lässt sich mit einem Schalter auf der Rückseite bestimmen

Da wird es wohl Zeit für eine der Testscheiben: Von Dick Schorys Bang, Baa-Room And Harp gönne ich mir die gesamte zweite Seite. Auch wenn die Kette im Arbeitszimmer noch eine wenig höher auflöst: Die Anlage, in der die K300p die Aufbereitung der Phonosignale übernimmt, macht mindestens genauso viel Spaß! Dynamik und Bühnentiefe kommen wie gewohnt spektakulär rüber, und die Instrumente wirken hier dreidimensionaler und zum Greifen realistisch. Da kann ich mir den Vergleich mit dem Keces Sphono wirklich sparen. Statt dessen lege ich eine meiner Liebling-LPs von Eberhard Weber auf: Orchestra. Da ist der ganz spezielle Bass-Sound auf zwei Stücken mit einer Gruppe von mal sechs und mal acht Blechbläsern zu hören. Titan i und Krell verwöhnen mit eher dunkel timbrierten Klangfarben, heftigen Impulsen von den hart angerissenen Bassseiten und einer feinen Durchzeichnung der Bläsersektion. Und auch hier fällt gleich wieder eine besondere, schwer in Worte zu fassende Qualität der K300p auf: Die Instrumente wirken einen Tick körperhafter, einen Hauch kompakter als gewohnt und dadurch ungemein präsent, was aber in keinem Widerspruch zu der auch hier vorzüglichen Raumillusion steht. Besonders faszinierend klingen die „Seven Moments“ mit den tiefen Pauken und der überraschend einsetzenden knalligen Perkussion, die einen aus dem Sessel aufschrecken lässt. Übrigens, auch wenn man gern mit recht hohem Pegel hört, sind in Spielpausen bei angehobenem Tonarm am Hörplatz weder Rauschen noch der geringste Brumm zu hören. Vorbildlich!

Die Buchsen der unsymmetrischen Eingänge, der symmetrischen und unsymmetrischen Ausgänge und eine ganze Reihe von Mäuseklavieren ziehen sich über die gesamte Rückseite des K300p
Die Buchsen der unsymmetrischen Eingänge, der symmetrischen und unsymmetrischen Ausgänge und eine ganze Reihe von Mäuseklavieren ziehen sich über die gesamte Rückseite des K300p

Nachdem ich die K300p in die Kette im Arbeitszimmer integriert hatte, wollte ich das gerade formulierte Lob für die Krell schon widerrufen. Bei sehr weit aufgedrehtem Lautstärkeregler war ein leichter Brumm zu vernehmen. Auch wenn mich die jahrzehntelange Nutzung einer symmetrischen Phonostufe einerseits mit völliger Brummfreiheit verwöhnt, andererseits aber auch für jegliche Störgeräusche sensibilisiert hat, bewerte ich das schwache und konstante 50-Hertz-Signal gewiss nicht über: So etwas sollte bei einer Phonostufe vom Preis und von der bisher erfahrenen hohen Qualität der Krell nicht vorkommen – und ist es ja in der Anlage im Wohnzimmer auch nicht! Dann erinnere ich mich an die Störgeräusche, die Einsteins The Turntable's Choice im Zusammenspiel mit dem Netzaufbereiter Niagara 7000 hören ließ. Wie Garth Powell, der Entwickler der Netztechnik von Audioquest, bei seinem Besuch in Gröbenzell erklärte, sei eine eher in der Studiotechnik anzutreffende Erdungsvariante der Grund für die Unverträglichkeit der Einsteinschen Phonostufe – und der Studer A80 – mit seinem Niagara 7000. Der Umstieg auf eine Niagara 5000 löste schließlich das Problem.


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