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Amphion Argon 7LS

07.09.2021 // Finn Corvin Gallowsky

Heute wird es auf den Spuren meines Namens finnisch. Der Standlautsprecher Argon 7LS der finnischen Firma Amphion ist in meinem Hörraum zu Besuch. Amphion baut schon seit über 20 Jahren HiFi-Lautsprecher, aktuell erregen ihre Studiolautsprecher allerdings mehr Aufsehen. Damit das nicht so bleibt, ist es Zeit für einen Argon-Test.

Von immer mehr Kollegen aus der Tontechniker- und Künstlerwelt vernehme ich Begeisterung über ihre Studiomonitore von Amphion. Die Lautsprecher der Finnen, die für das Wohnzimmer konzipiert sind, kennt hingegen niemand in meinem Bekanntenkreis, wenn man vom Hörensagen mal absieht. Und das, obwohl Amphion erst seit etwa 10 Jahren im Studiosektor mitmischt, wohingegen ihre HiFi-Produktlinie schon mehr als doppelt so lange existiert. Einen HiFi-Lautsprecher einer Firma zu testen, deren Produkte eher durch einen glücklichen Zufall ihren Weg ins Studio gefunden haben – eine Expansion dorthin war keineswegs geplant – macht mich sehr neugierig. Da ich selbst zwischen den Stühlen stehe, einerseits mit Studiotechnik und andererseits mit HiFi konfrontiert bin, beides übrigens nicht zufällig, fühle ich mich der Idee von Amphion-Gründer Anssi Hyvönen verbunden: Ein guter Lautsprecher sollte wie ein umgekehrtes Mikrofon sein. Ein möglichst lineares Mikrofon wohlgemerkt. Aus dieser Grundannahme erwuchsen einige technische Besonderheiten der Amphion Produkte, die sich durch alle Lautsprechersysteme ziehen. Eine davon ist die niedrige Übernahmefrequenz zwischen Tiefmitteltöner und Hochtöner, die bei allen Amphion-Modellen ausnahmslos 1600 Hertz beträgt. Möglich wird diese tiefe Anbindung des Hochtöners durch seine Integration in das Waveguide respektive Minihorn, welches auch optisch als Markenzeichen Amphions verstanden werden darf. Die Übernahmefrequenz wurde so niedrig wie technisch möglich gewählt, damit sie möglichst unterhalb des Frequenzbereichs liegt, in dem das menschliche Gehör am empfindlichsten ist. In diesem wichtigen Bereich kann so eine durch die Frequenzweiche bedingte Phasendrehung vermieden werden und ein möglichst linearer Phasenverlauf soll gewährleistet werden. Überhaupt wird bei Amphion versucht, jede unnötige Übergangsfrequenz zu vermeiden. Bis auf das Flaggschiff Krypton3 verfügt kein einziges Amphion-Produkt, egal ob fürs Studio oder zu Hause konzipiert, über mehr als zwei Wege. Ein weiteres typisches Merkmal der finnischen Lautsprecher sind Passivmembranen, für die sich entschieden wurde, da man bei Amphion von ihrer Überlegenheit gegenüber ventilierten Bassreflexlösungen überzeugt ist. Aufgrund des höheren Materialaufwands sind sie allerdings nur der Studioserie und der Argon-Serie vorbehalten.

Standlautsprecher mit zwei Wegen und zwei Tiefmitteltönern, die ein identisches Frequenzspektrum abgeben, gibt es nicht viele am Markt
Standlautsprecher mit zwei Wegen und zwei Tiefmitteltönern, die ein identisches Frequenzspektrum abgeben, gibt es nicht viele am Markt

Wie zu erwarten, nimmt sich mein Testobjekt, der Standlautsprecher Argon 7LS, von diesem Amphion-Credo nicht aus. Er ist das größte Modell der Argon-Serie, ausgestattet mit einem 2,54-Zentimeter-Titan-Hochtöner und zwei 16-Zentimeter-Alu-Tiefmitteltönern, unterstützt durch zwei rückseitige Passivmembranen. Alle Treiber stammen vom Spezialisten SEAS. Durch die Anordnung eines Tiefmitteltöners über und eines unter dem Hochtöner gibt es bei diesem Lautsprecher zur Abwechslung mal keinerlei Ungewissheiten über die ideale Abhörposition. Nur exakt mittig zwischen den beiden bis 1600 Kilohertz arbeitenden Mitteltönern, dort wo der Hochtöner platziert ist, verhalten sich die Interferenzen der Treiber wie gewollt. Dies wurde bei der Konzeption berücksichtigt, damit sich bei üblicher Sitzhöhe die Ohren des Hörers genau an diesem Punkt befinden. So ist es auch in meinem Hörraum.

Mit ihren 30 Kilogramm pro Stück und keinerlei (Bassreflex-) Öffnung, die als Griff missbraucht werden könnte, sind die Amphions nicht ganz einfach zu bewegen. Außerdem muss man aufpassen, nicht beherzt in die Passivmembranen zu greifen. Bei Verwendung der mitgelieferten Spikes samt Unterlegscheiben, um meinen Dielenboden nicht zu beschädigen, bin ich bei der Lautsprecherpositionierung auf Hilfe angewiesen. Im Testverlauf fliegen die Spikes allerdings recht schnell wieder aus dem Setup, so dass eine Umpositionierung auch allein möglich wird. Klanglich brachten Spikes in meinem Raum keinen Mehrwert, eher im Gegenteil. Nach einigem Hin und Her lande ich mit den beiden Standlautsprechern wieder auf genau der Position, auf der auch meine Magnat Quantum 807 am besten funktionieren. Passivmembranen der Argons oder Bassreflexkanal der Quantums machen interessanterweise keinen Unterschied bei der idealen Spielposition. Die beiden Argons stehen etwa 1,8 Meter voneinander und von Rück- und Seitenwand mindestens 50 Zentimeter entfernt und sind recht stark auf die Hörposition im gleichseitigen Dreieck eingedreht. Das starke Einwinkeln der Lautsprecher hilft bei einer möglichst gleichmäßigen Abbildung der Stereobreite und möglichst geringer Lokalisierbarkeit der Lautsprecher selbst. Nachdem die ideale Lautsprecherposition gefunden ist, muss ich nicht mal das Poliertuch bemühen, denn die mattschwarze, leicht raue Oberfläche der Argons ist glücklicherweise vollkommen resistent gegen Fingerabdrücke. Während sich die Amphions mehrere Tage einspielen, kann ich sie einer eingehenden optischen Begutachtung unterziehen, bevor es an die Klangbeschreibung geht.


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