Es existiert zur Zeit ein riesiger Hype um hohe Samplingraten, mittlerweile haben diese einen genauso hohen Prestigewert wie die PS-Zahl beim Auto. Um allen Diskussionen aus dem Weg zu gehen, hat Brient entschieden, beides optimal zu unterstützen. Hier muss man natürlich im Auge behalten, dass der Rest der Anlage ebenfalls mithalten muss. Es nützt nichts, wenn der DAC – so wie hier – Rauschabstände von -160(!) dBFS bieten kann und diese dann im Rauschen der Verstärkerelektronik wieder verloren gehen. Möglicherweise gibt es das eine oder andere Gerät, welches noch mehr Auflösung bieten kann; dieses ist mir bisher noch nicht über den Weg gelaufen. Die Frage dabei ist, ob mit diesem die Musik auch so harmonisch und natürlich wiedergegeben werden kann wie mit dem totaldac. Grundsätzlich ist das mit der Auflösung ja so eine Sache; wenn mein Gitarrist im Wohnzimmer auf seiner Akustikgitarre spielt, dann habe ich 100 Prozent Auflösung. Es kommt dabei aber niemand auf die Idee, über so ein Thema nachzudenken, das ist einfach so. Wenn aber bei einer Musikanlage als allererstes eine stupende Detailauflösung auffällt und dann erst einmal lange nichts, dann kann dies bei längerem Hören schnell zu einem Ermüdungseffekt führen. Zumindest bei mir. Auflösung ist einer der Mosaiksteine zu einer perfekten Wiedergabe, aber nicht der einzig entscheidende. Ausschlaggebend ist eher die richtige Balance zwischen Musikalität und Auflösung. Beim totaldac ist diese in hohem Maße hervorragend gelungen. Insgesamt ist die Wiedergabe etwas schlanker, oder sagen wir einmal entschlackter! Zudem sehr offen und neutral; dies muss nicht unbedingt zu Systemen passen, die sehr hell abgestimmt sind oder von Haus aus zu einer analytischen Wiedergabe neigen. Dafür kann allerdings der DAC nichts. Klangfarben werden so fein abgestuft wiedergegeben, wie ich es sonst eigentlich nur von sehr guten Analogquellen kenne. Mit der Betonung auf sehr gut. An die Klarheit der Wiedergabe gewöhnt man sich sehr schnell, wie ausgeprägt diese ist, merkt man erst wieder, wenn man den totaldac aus dem System nimmt.
Natürlich habe ich auch hochauflösende Formate gespielt, über ein Macbook Pro mit der Amarra Software. Brient empfiehlt als Software JPLAY im „extreme hibernate“ mode. Da werden dann sämtliche Störenfriede wie Maus, Tastatur, Bildschirm und was es noch so alles gibt, abgeschaltet. Funktioniert aber nur mit Windows-Rechnern. Also wieder zum Macbook zurück und Keith Jarretts Köln Konzert ausgewählt. Davon habe ich sowohl Schallplatte, CD als auch eine 24/96 HighRes Version. Die Unterschiede zwischen CD und HighRes sind minimal und in einem Doppelblindversuch würde ich mich wahrscheinlich schwertun.
Als nächstes habe ich eine 24/192 Aufnahme probiert: A Trace of Grace von Michel Godard. Diese Aufnahme hat für mich den Vorteil, dass ich diese Gruppe auch live gehört habe und mir somit gut vorstellen kann, was bei der Wiedergabe herauskommen soll. Auch hier ist der Unterschied zum Redbook Format nicht so, dass es mir schlaflose Nächte bereiten würde. Am ehesten fällt es noch bei der Violine von Fanny Pacoult auf, die mit dem hochauflösenden Format doch einen Tick natürlicher klingt. Zugegebenermaßen kann dies für einen Klassikfan die entscheidende Verbesserung sein. Trotzdem ist bemerkenswert, was der totaldac aus dem Redbook Format herausholt.
So, und jetzt kommt es knüppeldick: In einem heroischen Selbstversuch habe ich dann eine Datei mit einer lausigen Abtastrate von 256kbits/s gespielt, ZZ Top live: Blue Jeans Blues. Hier hat mich jetzt doch sehr verblüfft, wie der totalDAC mit dieser Aufnahme umgeht. Eigentlich war ich auf das Schlimmste gefasst, aber die unheimliche Kraft in der Musik der drei Herren mit dem Rauschebart kommt erstaunlich livehaftig rüber. Die Qualität der Aufnahme allerdings auch, der tube DAC beschönigt hier nichts. Natürlich ist hier keine Feinauflösung gefragt – die auch gar nicht vorhanden ist – und eine Klassikaufnahme möchte ich mir in diesem Format auch nicht antun; trotzdem erstaunlich. Ähm, ein Plädoyer für mp3 – oder wie immer dieses Zeug heißt – sollte dies nicht werden!
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