Beispiele für „natives, direktes DSD Processing“ sind alle Fälle, in denen TI/Burr Brown Chipsets wie 1792, 1793 und 1795, die die DSD-Verarbeitung unterstützen, in einem Wandler verwendet werden. Sie können auch PCM verarbeiten können, haben aber ein direktes Wandlungsverfahren für DSD. Befremdlicherweise werden sie als PCM1793 oder DSD1793 bezeichnet, wobei der einzige Unterschied in der Pinbelegung besteht. Andere Chip-Sätze, die für „natives, direktes DSD Processing“ konfiguriert werden können, sind CS4398, CS4364, CS4384, WM8741, WM8742 und AK4490. Bei diesen hängt es von Hersteller des Wandlers ab, welche Parameter sie für die Konfiguration des Wandler-Chips wählen.
Schließlich bieten Schaltung ohne Chips wie der Lampizator DSD DAC „natives, direktes DSD Processing“, da sie mit einer komplexen Anordnung von Analogfiltern und solchen zur Gleichstromunterdrückung das „native“ DSD-Signal direkt ins Analoge wandeln. In der Datenbank findet sich eine Unmenge DSD-fähiger Wandler mit anderen Technologien. Diese Schaltungsdesigns mögen wegen einer Menge Gründe DSD nicht als DSD bestehen lassen: digitale Lautstärkeregelung, die eine Umwandlung in PCM nötig macht, Anforderungen durch die beiden Formate, bessere digitale Filter-Maßnahme und so weiter. Diese Schaltungsdesigns mögen dennoch ziemlich musikalisch klingen, ja sogar einigen der oben beschriebenen überlegen sein – wahrscheinlich wegen besserer Analogstufen und einer stabileren Netzteilauslegung –, aber können nicht von sich behaupten, dass sie „native“ DSD-Wiedergabe bieten. Noch einmal: es obliegt den Kunden, diese Hersteller in die Pflicht zu nehmen.
Am Ende des Tages ist die beste Möglichkeit, die Musikalität eines Wandlers zu bewerten, eine Vorführung oder ein eigener Test in den eigenen vier Wänden. Wenn das nicht umzusetzen ist, sollte man zumindest zu verstehen versuchen, wie der Wandler diese besonderen, „nativen“ DSD-Musik-Dateien verarbeitet, die man erworben hat.
Schließlich beginnen Audiophile den Begriff „nativ“ zu benutzen, um zu beschreiben, dass DSD über USB gesendet wird, wobei die vom Hersteller des Wandlers zur Verfügung gestellten ASIO-Treiber benutzt werden. So wollen sie diese Methode vom omnipräsenten DSD-over-PCM (alias DoP) unterscheiden. Letzteres ist ein schrecklicher Name für ein cleveres Verfahren, nicht konvertierte DSD-Daten in sogenannte PCM-Container verpackt über USB zu schicken. Da der Begriff „PCM“ als Teil der Beschreibung verwendet wird, glauben viele Computer-Audio-Einsteiger fälschlicherweise, es handele sich um eine verlustbehaftete Konvertierung in PCM. Da ist es eben nicht. Und deshalb ist es in keiner Weise weniger „nativ“ als einen ASIO-Treiber zu benutzen – auch wenn das Entpacken aus den PCM-Containern ein oder zwei Prozent mehr Prozessor-Leistung beanspruchen mag.
So. Deshalb schlage ich vor, den direkten Versand von DSD über ASIO – oder Linux ALSA oder I2S „raw“ DSD zu nennen, um es vom gepackten DoP zu unterscheiden. Das bedeutet: Wir sollten hier den Begriff „nativ“ nicht benutzen. Nachdem wir „native“ DSD-Dateien bekommen haben und einen „nativen“ DSD-Wandler erworben haben, sollten wir DoP nicht zu einer Art Bösewicht machen, indem wir uns einer Terminologie bedienen, die es „nicht nativ“ klingen lässt.
Ok, genug gepredigt!
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