Wie jedes hochkarätige Kabel möchte auch das Cardas Clear eingespielt werden. Obwohl der Vertrieb 48 Stunden empfiehlt, habe ich den Sennheiser bereits nach einem Tag WDR-3-Radio wieder in Betrieb genommen. Es war mehr ein lässiges Reinhören, denn eine konzentrierte Hörsitzung und dennoch ausreichend, ein breites Grinsen auf mein Gesicht zu zaubern.
Viele Stunden Kulturprogramm später startet das fokussierte Hören. Ich empfinde es immer wieder als Genuss, so unmittelbar in das musikalische Geschehen eingebunden zu werden. Jede Aufnahme kann seziert werden. Immer wieder entsteht beim Hören die Illusion, dem Toningenieur bei der Arbeit zu zuschauen. Dort ein bißchen mehr Timbre, hier etwas mehr Lautstärke beim Gitarrensolo. Gitarrenverstärker brummen, Verzerrer rauschen, ganz so wie auf der Konzertbühne – herrlich. Jeff Buckleys grundehrlicher Blues „Strange fruit“ löst St. Germain „Realblues“ ab. Jean-Michell Jarre lässt seine computergesteuerten Synthesiser auf seinem aktuellen Album Electronica 1 The Time Machine musizieren. Wohlgesetzte zarte Klavieranschläge setzt Ludovico Einaudi auf dem Album Whitetree / Cloudland. So unterschiedlich die Musikrichtungen, so ganzheitlich gerät die Abbildung. Einaudi und Buckley kommen mit viel Emotion zum Gehör, die elektronischen Verlautbarungen des Franzosen haben den nötigen technoiden Verve. Die famose gerade fünfundsiebzig Jahre jung gewordene Buffy Sainte-Marie ergänzt mit Diana Krall die Playlist um die weibliche Stimme. Begleitet von Herbie Hancock rezitiert Leonard Cohen den Text von Joni Mitchell „River“, mehr als dass er ihn singt. Aber egal, ob femininer oder maskuliner Gesang die leichtgewichtigen Membranen in Schwingungen versetzt, die Gänsehaut wird Teil des Erlebens. Bach und Telemann steuern nicht nur die klassischen Akzente bei, sondern zudem den Eindruck einer superben Räumlichkeit. Bring me home von Sade bringt Konzertatmosphäre satt, zudem lässt allerlei Kriegsgetöse zu Beginn des Openers „Soldier of love“ keinen Zweifel an der Baßtüchtigkeit aufkommen. Es sind überaus vergnügliche Stunden, denn jede Aufnahme tönt entspannt und dennoch bei Bedarf mit der nötigen Dynamik. Unverfälscht und makellos die Wiedergabe akustischer Instrumente, zudem finden eine Vielzahl zarter Nebengeräusche und feinste Information über die Beschaffenheit des Aufnahmeraumes ungebremst ihren Weg zum Trommelfell. Aber welchen Teil der überzeugenden Darbietung steuert der Sennheiser, welchen die Verkabelung bei?
Über die Veredelung der Töne durch das Cardas Clear soll Bill Callahan exemplarisch Auskunft geben: Das hervorragend produzierte Album Dream River des Lo-Fi-Meisters –Lo-Fi steht hier für Musik, die mit einfachsten technischen Equipment aufgenommen wurde respektive so klingt – ist 2013 erschienen und im Gegensatz zu seinen Debüt Apokalypse kommt es ziemlich leichtfüssig daher. Beim ersten Titel „The sing“ bilden zwei Gitarren das musikalische Gerüst, Besen streichen über die Felle, eine einzelne Violine nimmt die Melodie auf. Eingebettet in die sparsame Instrumentierung ist Callahans melancholische Stimme. Mit dem Cardas Clear gerät die Darbietung vollmundig, mit viel Glanz, ohne dass fragile Details in einem wolligen Sumpf abtauchen. Die sonore Stimme verfügt hier über das Rechte Maß Brustraum, überdies bleibt das diskret beigemischte Quentchen Hall nicht verborgen. Auch die Saiten der Geige tönen feinaufgelöst mit dem adäquaten hölzernen Resonanzraum. Glaubhaft ergänzen die E-Gitarren mit ihren nachgeschalteten Effektgeräte und Verstärkern den Vortrag. Ja so muss der Song klingen signalisieren die Synapsen dem Gehirn! Verlässt das Kabel aus Oregon die Kette, weicht das Körperhafte, es zieht Härte – und schlimmer – Lustlosigkeit in die Performance ein. Reproduzierbar ist der Zugewinn an Realismus durch das Cardas Clear mit jeder Aufnahme, mal mehr mal weniger, aber immer nachvollziehbar. Gute Arbeitsbedingungen führen also auch im äußersten Westen der vereinigten Staaten zu bemerkenswerten Ergebnissen!
Gehört mit
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Computer Audio | NAS-Laufwerk Qnap HS 210 / Minim Server / UpnP Kontroll Lumin |
Phono | AMG Laufwerk & Tonarm, Ortofon black, Benz Ruby |
Phonoentzerrer | Trigon Vanguard II & Volcano III |
Netzwerkspieler, Vorverstärker | Linn Majik I DS |
Kopfhörerverstärker | Lake People G 100 |
Kopfhörer | Sennheiser HD 800 |
Netzaufbereitung | Furman Elite-16 Power Factor E i |
Kabel | Linn Silver Interconnect, Naim Audio Lautsprecherkabel, Netzleiste Music Line |
Möbel | Phonosophie Tripod |
Herstellerangaben
Clear Headphone Cable
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Typ | Kopfhörer-Anschlusskabel, eine Zuleitung pro Wandler |
Anschlussstecker Eingang | rhodinierte Cardas-Stereo-Klinke 6,3mm (Standard), Stereo-Klinke 3,5 mm, XLR-Stecker in verschiedenen Ausführungen (andere Konfigurationen auf Nachfrage beim Vertrieb möglich) |
Anschlussstecker Ausgang | Erhältlich für Kopfhörer: Sennheiser HD 800, HD 700, HD 600/650, HD 580, Audeze und Hifi Man, diverse AKG-Pro und Beyerdynamic-Pro-Hörer, weitere Optionen können beim Vertrieb erfragt werden |
Kabel / Durchmesser | Zwei x 0,45 cm, Außenschirmung geflochtenes Nylon |
Abmessungen / Länge | 3 m (andere Längen auf Nachfrage beim Vertrieb möglich) |
Preis | 800 Euro |
Vertrieb
Sieveking Sound GmbH & Co KG
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Ansprechpartner | Jan Sieveking |
Anschrift | Plantage 20 28215 Bremen |
Telefon | +49 421 6848930 |
kontakt@sieveking-sound.de | |
Web | www.sieveking-sound.de |