Offensichtlich hatten Alex und Sankar noch ein paar weitere Asse im Ärmel: Als Ergebnis kam der LCD-2 auf den Markt und kurze Zeit später der LCD-3, Audezes Topmodell und „Überknüller‟-Kopfhörer. Mit Preisen von 1000 und 2000 Dollar zielten diese Hörer auf ein ganz spezielles Marktsegment: das beste, und nichts weniger. Einerseits haben Kopfhörer viele Vorteile gegenüber Lautsprechern wie einen unmittelbareren, direkten Klang ohne die Probleme von Raumflexionen et cetera. Andererseits haben sie einige den Prinzip geschuldete Nachteile: Erstens, und da spreche ich aus persönlicher Erfahrung, muss alles, das meinen Kopf umgibt, perfekt passen. Zweitens zielen bei einem Kopfhörer zwei Treiber direkt auf das Innenohr. Das bedeutet, dass alle Klänge, die die Treiber reproduzieren, sofort von Ohr verarbeitet werden, ohne Verzögerung, ohne Beeinträchtigung oder äußere Einflüsse. Und genau das ist meiner bescheidenen, aber vorgefassten Meinung nach für mich die Achillesferse beim möglichst optimalen Hifi-Genuss über Kopfhörer: Die meisten Schallwandler klingen für mich viel, viel zu hell. Einzige Ausnahme: das dem Gehörgang individuell angepasste In-Ear-Headphone JH Audio 13, auf das ich nun schon seit zwei Jahren vertraue. Die Drei-Wege-Konstruktion produziert einen sehr ausgewogenen Sound, der dem Klang und der Abbildung meiner Zu Definition MK IV Lautsprecher sehr nahe kommt.
Selbst der gewohnte AKG 701, den ich nun schon seit fast sechs Jahren besitze, wird selten genutzt und zwar wegen seines unnatürlich hellen Klangbildes. Wenn ich ihn höre, klingt Musik für mich nicht wie Musik. Deshalb habe ich ihn zum einfachen Monitoring oder schnellen Überprüfen der Klangquelle degradiert, wenn ich einige meiner Platten auf DSD konvertiere. Ein anderes Problem bei den Kopfhörern, die ich probiert habe, ist der Bass. Ein Bass, der echt ist, nicht verzerrt oder aufgebläht, sondern einfach richtig. Auch hier ist der einzige Kopfhörer, der glänzen kann, der zuvor erwähnte JH-13, der einen außergewöhnlichen Bass reproduziert – außergewöhnlich deshalb, weil er sich mit dem in wirklicher Musik deckt.
Als ich dann Alex und Sankar bei einem örtlichen Hifi-Händler Anfang des Jahres traf, war ich wirklich neugierig zu erfahren, was an all dem Hype wirklich dran ist: Googlen Sie einfach mal den Namen Audeze und Sie wissen, was ich meine. Von Zero to Hero in 0,5 Sekunden! Und das ist besonders beachtlich, wenn man bedenkt, dass die beiden weder über den finanziellen Hintergrund oder über breit aufgestellte Muttergesellschaften wie AKG oder Beyerdynamik verfügen. Es scheint, dass Audeze wirklich eine Firma unserer Zeit ist, organisch gewachsen durch kunsthandwerkliche Fertigung.
Während ich gespannt auf mein Exemplar wartete, brachte ich mein technisches Verständnis dieser neuen Kopfhörer auf Vordermann. Magnetostatische Treiber sind elektrostatischen Lautsprechern nicht unähnlich: Kraftvolle Magnete treiben hier nahezu die gesamte Membranfläche an, so dass sie sich kolbenförmig bewegt. Es gibt so gut wie keine Chance für Partialschwingungen. Anders als ihre elektrostatischen Brüder benötigen die Magnetostaten jedoch starke und dabei auch relativ schwere Magnete. Zudem ist die gesamte Konstruktion recht groß, so dass der Tragekomfort schon beim ersten Entwurf mit berücksichtigt werden muss. Ansonsten würde sie niemand benutzen wollen. Wie schon gesagt, wenn jemand möchte, dass ich etwas auf meinen Kopf stülpe, sorgt er besser dafür, dass es angenehm zu tragen ist. „Mach' Dir keine Gedanken darüber‟, sagte mir Alex, „Du wirst unsere Kopfhörer mögen‟.
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