Dr. John And The Lower 911
Tribal
Mal exzentrisch im Voodoo-Stil gekleidet, dann wieder ganz seriöser Standards-Pianist: Dr. John, alias Mac Rennack, ist seit den späten sechziger Jahren der Garant für eine Neuerfindung des New Orleans-typischen Rhythm 'n' Blues. Jedes Album inszeniert eine Gratwanderung zwischen Tradition und Moderne. So auch bei seinem neuen Werk „Tribal“.

Dr. John And The Lower 911 – Tribal
Gute Laune möchte der Doktor uns machen und stellt den Song „Feel Good Music" an den Anfang des Albums Tribal. Doch seltsam, die erhofften Wohlgefühle wollen sich einfach nicht einstellen, trotz einer beachtlichen Reihe von Gastmusikern, die Dr. John zu den Aufnahmen geladen hat; darunter den Blues-Gitarristen Derek Trucks, den Jazz-Saxophonisten Donald Harrison, den Sänger und Komponisten Bobby Charles und – geradezu eine Selbstverständlichkeit – die New Orleans-Legende Allen Toussaint. Mehr als genügend an musikalischer Prominenz also, um die Erwartung an das Album hoch genug zu schrauben. Doch just an diesem Prominenzpunkt offenbart sich das Problem: Dr. John übt sich in einer Übersollerfüllung. Wir erleiden Streicherarrangements, die an alte, unbeholfene Hollywood-Filmmusik erinnern, oder einen Background-Chor, der frisch dem Kirchentag entlaufen zu sein scheint. Große, inspirierte Momente sind rar bei diesen sechzehn Songs. Statt dessen hat es sich Dr. John in einer erfolgversprechenden Routine bequem gemacht. Nichts, was man nicht in meist besserer Form früher schon gehört hätte. Die souveräne Lässigkeit, die er in den Mardi Gras-, Soul- und Funk-Stücken zu seinem Markenzeichen gemacht hat, kippt hier in reine Nachlässigkeit um. Dr. John vertraut auf das, was er immer schon gemacht hat – und befindet sich so auf dem besten Weg, sein eigenes Klischee zu werden. Selbst die Anklänge an den bunten Zauber der Voodoo-Tradition, die er einst so überzeugend mit der Rockmusik verknüpft hatte, wirken im Titelstück des Albums nur mehr wie lustlos montierte Zitate, denen es nicht gelingt, die Glätte der Arrangements und das generell inspirationsfreie Spiel aufzubrechen. Erst gegen Endes des Albums blitzt wieder ein wenig seines alten Genies auf, wenn auf „Manoovas“ Derek Trucks kleine Blues-Widerständigkeiten gegen Arrangements setzen darf, die sonst eher als Groove-Bremse wirken. In der langen Zeit seiner Karriere, die bereits in den 50er Jahren begann, gab es immer wieder Phasen, in denen Dr. John lediglich das Mittelmaß streifte. Dann besann er sich in einer Art kreativer Regeneration auf die Musik der alten Helden wie Johnny Mercer oder Duke Ellington, deren Songs er so erfrischend wie intelligent neu interpretierte. Doch sein letzter Ausflug in die Welt der Fremdkompositionen, „Mercernary“, brachte nicht den erwarteten Energie- und Innovationsschub. Im Gegenteil. Tribal bietet wenig mehr als eine klischeegetrübte Besinnung auf die eigene Vergangenheit. Wie aus zweiter Hand.
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| Proper FTN17803 |
1 Feel Good Music 3:22
2 Lissen At Our Prayer 3:59
3 Big Gap 4:31
4 When I'm Right (I'm Wrong) 4:13
5 Jinky Jinx 3:21
6 Change Of Heart 3:39
7 Sleepin' In My Bed 5:33
8 Whut's Wit Dat 4:19
9 Tribal 6:51
10 Them 3:16
11 Only In Amerika 3:08
12 Potnah 4:15
13 Music Came 4:04
14 Manoovas 4:07
15 Scroungin' 2:34
16 A Place In The Sun 4:19 |
| Gesamtspielzeit: 65:55 |