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29.07.10
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Die Gewinner des Int. Schallplattenpreises „Toblacher Komponierhäuschen 2010” Bei den diesjährigen Gustav Mahler Musikwochen in Toblach wurde traditionell der internationale Schallplattenpreis „Toblacher Komponierhäuschen in den Kategorien Wiederveröffentlichung und Neuproduktionen vergeben. Allerdings handelt es sich bei den beiden ausgezeichneten Scheiben ebenso wie bei der, die diesmal mit einem Sonderpreis geehrt wurde, nicht um LPs, sondern um CDs respektive SACDs.
Die Jury v.l.n.r.: Christine Lemke-Matwey, Attila Csampai, Lothar Brandt, Dietmar Holland, Thomas Schulz Den Vorsitz der Jury hat Hifistatement-Autor Attila Csampai inne, und auch in der vierköpfigen Jury werden regelmäßige Leser dieser Publikation einen alten Bekannten entdecken: Thomas Schulz. Kein Wunder also, dass zwei der prämierten Alben in Hifistatement schon ausführlich besprochen wurden. Und auf eine ausführliche Würdigung der bisher hier nicht vorgestellten Scheibe werden wir sicherlich nicht allzu lange warten müssen. Die Links zu den Rezensionen auf Hifistatement finden Sie bei den Albuminformationen: Kategorie A (Wiederveröffentlichungen)
Wie schon in seinem im letzten Jahr mit einem Toblacher Komponierhäuschen ausgezeichneten phänomenalen Live-Mitschnitt der Sechsten Mahlers aus dem Jahr 1983 (LPO –0033) erweist sich Klaus Tennstedt auch in der 1989 aufgeführten Zweiten mit dem London Philharmonic als Magier des erfüllten Augenblicks, als genialischer Live-Musiker, der vor allem in seinen letzten, von schwerer Krankheit gezeichneten Lebensjahren in unglaublich suggestiver Weise das ganze tragische Potenzial der ihm anvertrauten Werke freizusetzen verstand. So auch hier: Selten klangen Mahlers Jenseitsvisionen so „unerhört“, so tief innerlich durchlebt, so beschwörend-leidenschaftlich, so überwältigend wie in diesem späten Londoner Konzertmitschnitt des 1998 verstorbenen Mahler-Fanatikers Tennstedt. Vor allem in den beiden monumentalen Ecksätzen der Zweiten entfacht er eine emotionale Glut, ein echtes Leidenspathos, dem man sich nicht entziehen kann, das einen fesselt und erschüttert und die wirklichen seelischen und metaphysischen Dimensionen dieser Erlösungssymphonie einmal spüren lässt: Das ist ein zutiefst romantischer, hermeneutischer Ansatz, und ein unerschütterliches Plädoyer für Mahlers klingende Weltanschauung, die untrennbar verquickt ist mit seinem eigenen Schicksal. Tennstedts Leidenschaft, seine physisch-dramatische Wucht, sein fantastisches Timing, wirken nie theatralisch oder effektvoll: Er ist ein Schmerzensmann und ein Wahrheitsbeschwörer, der dem Schicksal geradewegs ins Auge blickt – und so auch das positive Ende, die große Schlussapotheose mit unglaublicher dramatischer Stringenz als weltbewegendes, alles überstrahlendes Ereignis, ja als kosmische Entladung und Seelenbefreiung inszeniert. Kategorie B (Neuproduktionen)
Obwohl Mahlers rätselhafte Neunte erst vor kurzem von Jonathan Nott und den Bamberger Symphonikern in einer exzellenten Interpretation vorgelegt wurde (und dafür 2009 das „Toblacher Komponierhäuschen“ erhielt), muss man auch Alan Gilberts hypertransparenter Mehrkanalproduktion mit dem erstaunlich präzisen Stockholmer Philharmonikern höchstes Niveau bescheinigen: Der 42jährige neue Musikdirektor der New Yorker Philharmoniker hat das schwedische Orchester zuvor in acht Jahren weit nach oben geführt. Der in New York geborene Gilbert ist ein hochbegabter Dirigent, der es versteht, dieses unglaublich komplexe und vielschichtige Opus so frisch, klar strukturiert und zwingend logisch erklingen zu lassen, als hätte Mahler niemals ein Verständnisproblem gehabt: Es ist hier mit großer Souveränität und unbefangener Intelligenz konturenreich und präzis durchgeformt, so dass auch alle Nebelschwaden des Depressiven, die lange Zeit über diesem vermeintlichen Werk des Abschieds lasteten, sich in Nichts auflösen. Gilberts aufbrausende Dramatik im Kopfsatz, seine Walzer-Sinnlichkeit im Scherzo, und seine klare Zuversicht im Adagio verleihen der Neunten eine neue innere Stärke: Hier öffnet Mahler kühn das Tor zum neuen Jahrhundert, und von Abschied keine Spur. |
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