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Acoustic Solid
Phono Preamp
Auch wenn sich Acoustic Solid ausweislich der Firmenbezeichnung mit Tonmaschinenbau befasst, also mit Elektronik nichts zu tun hat, konnte und wollte man sich den Forderungen der Kundschaft nach einem Phonovorverstärker nicht länger verschließen. Attraktiver Preis und üppige Ausstattung machen neugierig.
Acoustic Solid hat sich anfangs ausschließlich mit der Herstellung von Laufwerken und später zusätzlich mit Tonarmen zur analogen Musikreproduktion befasst. Nach und nach kamen ergänzende Teile hinzu, wie eine elektronische Waage zur Einstellung des Auflagegewichts, eine Einstellschablone und ein Werkzeugset mit allem, was der analoge Spieltrieb so verlangt. Ein erster Ausflug in „artfremdes“ Terrain war der – meines Erachtens sehr gelungene – Lautsprecher WTB 1, der ganz pragmatisch eine Konstante bei Vorführungen bilden sollte. Diesen Zweck erfüllt er auch ganz prächtig und so hat der Lautsprecher über die Vorführungen hinaus eine Fangemeinde gefunden.

Auch beim Gehäuse der Phonostufe setzt Acoustic Solid auf einen Mix aus Metal und Acryl
Und wie das halt so ist in Zeiten, in denen der analoge Ton überwiegend mit separaten Phonoverstärkern erzeugt wird, wurde der Ruf der Vertriebe, Händler und nicht zuletzt auch der Endverbraucher immer lauter nach einem entsprechenden Gerät von Acoustic Solid, mit dem man die analoge Strecke quasi aus einer Hand komplettieren kann. Dem wollte man entsprechen und hat sich einen Entwicklungspartner für die Elektronik gesucht. Die eigene Firmenlinie, also die analoge Mechanik, wollte Karl Wirth nämlich deshalb nicht verlassen. Die Verstärkerplatine wird bei einem renommierten deutschen Elektronikhersteller gefertigt und bei Acoustic Solid in ein Gehäuse eingebaut, das mit seiner maschinenbaulichen Anmutung ganz typisch für diesen Hersteller ist. Über die Jahre habe ich Karl Wirth als ausgesprochenen Pragmatiker kennengelernt, dem überspannte Höhenflüge regelrecht wesensfremd sind, der dafür das Wohl seiner Kunden im Visier hat. Dementsprechend sahen die Vorgaben für den Phono Preamp aus. Das Pflichtenheft listete drei Schwerpunkte auf: Kein Sounddesign, sondern eine präzise Umsetzung dessen, was der jeweilige Tonabnehmer aus der Rille holt, weiterhin eine möglichst breit gefächerte Anpassungsmöglichkeit für die unterschiedlichsten Tonabnehmertypen und einen Preis, der deutlich im dreistelligen Bereich liegt. Letztere Forderung kann bei einem Verkaufspreis von 660 Euro definitiv als erfüllt gelten und macht diesen Phonoverstärker schon mal für viele erschwinglich. Zu den beiden anderen Aspekten gleich mehr. Anzumerken wäre an dieser Stelle noch, dass die Fertigung komplett in Deutschland erfolgt, was man bei dem Preis eher nicht erwarten würde - zumindest wird ja immer wieder kolportiert, dass im Hochlohnland Deutschland gar nicht günstig gefertigt werden könne …

Seine Energie bezieht der Entzerrer aus einem Steckernetzteil. Eintreuungen auf den Tonabnehmer sind daher auf bei der Platzierung des Gerätes in der Nähe des Plattenspieler nicht zu befürchten
Der Phono Preamp ist klein genug, um ihn in den meisten Fällen nah beim Plattenspieler aufstellen zu können. Die schwarze Acrylfront trägt außermittig das Firmenschild und zentral die LED der Betriebsanzeige. Auf der Rückseite sind die obligatorischen Buchsen zu finden, mittig die Masseklemme und darüber der Netzanschluss. Links und rechts sind der Ein- und Ausgang jedes Kanals übereinander angeordnet. Dieses Arrangement mit der unüblichen Farbzuordnung der Buchsen ist dem Doppel-Mono-Aufbau geschuldet, der in dieser Preisklasse nicht gerade Standard ist. Dank der eindeutigen Beschriftung kann man aber nichts falsch anstecken. Richtig spannend wird es an der Unterseite. Dort bieten drei „Mäuseklaviere“ pro Kanal eine Fülle von Einstellmöglichkeiten für den passenden Abschluss des Tonabnehmersystems. Die Verstärkung kann in neun Stufen eingestellt werden, die den Bereich von 32 dB bis 64 dB abdecken. Für MM/MI-Systeme kann die kapazitive Last in zehn Stufen, von 100 bis 600 Picofarad, variiert werden. Damit sollte man bitte vorsichtig umgehen, da hier schnell der Hochtonbereich aus den Fugen geraten kann. Für Moving Coil-Systeme kann die Lastimpedanz in 10 Ohm-Schritten von 50 Ohm bis 680 Ohm überaus fein abgestimmt werden. Dazu kommt noch der MM/MI-Standardwert von 47 kOhm. Wer mit diesen vielfältigen Anpassungsmöglichkeiten seinen Tonabnehmer nicht passend anschließen kann, muss schon einen ausgesprochenen Exoten sein Eigen nennen.

Das Anschlussfeld ist übersichtlich, die Farbwahl für die Buchsen kann man allerdings als recht eigenwillig bezeichnen
Das Schaltung ist mit ICs aufgebaut, was mittlerweile gängige Praxis ist und keinerlei Grund zur klanglichen Besorgnis gibt. Die Verstärkung erfolgt zweistufig, die RIAA-Entzerrung passiv und aktiv, also auch zweistufig. Die angegebenen Messwerte sind aller Ehren wert, versprechen ungetrübtes Hörvergnügen. Der erfreulich niedrige Ausgangswiderstand von 50 Ohm lässt auch längere Anschlusskabel zur Hochpegelvorstufe zu, ohne dass Klangeinbußen zu befürchten wären. Besonders hervorheben möchte ich die Bedienungsanleitung, ein gebundenes Heft mit allen Informationen und Einstellungshinweisen in überaus verständlicher Form. Alles in allem ein stimmiges Angebot für den Analogicus.

Gesockelte ICs sind im Phono Preamp die aktiven Bauelemente der Wahl
Zuerst habe ich den Phono Preamp in der Kette Stax SR 14 S (Vorstufe) - Brocksieper LC 807 (Röhrenverstärker) - Outsider Equipe Lautsprecher betrieben. Erster Tonabnehmer war, wie könnte es bei mir anders sein, ein Decca und zwar das Garrott Grey, eingebaut in den VPI JMW 12.5 am Laufwerk Audiolabor Konstant. Es liefert einen mehr als üppigen Pegel von rund 7 Millivolt, dürfte damit eines der „lautesten“ Systeme überhaupt sein und hat schon manche Phonostufe regelrecht „überwältigt“. Der Phono Preamp steckte das locker weg, setzte die heftigen Dynamikausschläge umstandslos um und blieb dabei auch immer tonal in der Spur. Das war schon mal ein sehr erfreulicher Auftakt. Also auf zum nächsten Tonabnehmer, dem noch weithin unbekannten Allnic Verito+, einem Moving Coil-System mit einer Spulen-Magnet-Anordnung, die radikal von bekannten Anordnungen abweicht und eine sehr unmittelbare, hochdynamische Rillenauslese liefert - sehr, sehr spannend und jeder Würdigung wert, leider mit einem Preis von 2200 Euro auch nicht gerade billig. Die folgende Beschreibung bezieht sich auf den Betrieb in meinem Schröder Reference, der aus meiner Tonarmkollektion eindeutig am besten mit dem Verito harmonierte. Zusammen mit „seinem“ Übertrager spielte es über den Phono Preamp sehr ordentlich auf, ließ aber den letzten Biss vermissen. Also den Übertrager aus der Kette genommen, den Phono Preamp auf 680 Ohm Lastimpedanz und 64 Dezibel Verstärkung eingestellt und – hoppla, das geht plötzlich richtig nach vorne los, gemahnt in der dynamischen Entfaltung, Schnelligkeit und Unmittelbarkeit durchaus an meine geschätzten Deccas, setzt die Rilleninformation präzise um und überlässt so die Emotionalität dem Tonträger. So soll es sein, auch wenn dabei schlechte LPs entlarvt, zumindest nicht beschönigt werden.

Die Schaltung für die beiden Kanäle teilen sich zwar ein Platine, sind aber räumlich getrennt
Nach diesen erfreulichen Hörrunden habe ich den Acoustic Solid Phono Preamp in meinen zweiten Hörraum verfrachtet, um ein möglichst breites Spektrum abzudecken. Hier werden die Lautsprecher WTB 1 von Acoustic Solid derzeit von einer SAC-Kombination aus der Vorstufe „β“ und den „Igel“-Monoverstärkern befeuert, eine sehr spielfreudige Kombo. Die Platten dreht ein Garrard 401 in einer Experimentalzarge, auf der zwei Tonarme montiert sind, der Well Tempered Reference und der Sony PUA 286. Im Sony wurde zuerst das Goldenote Babele probiert, ein Moving Magnet-System für gerade mal 110 Euro. Das spielt rund und satt, findet wohl seine Grenzen an den Frequenzenden und auch in der Auflösung früher als teurere Systeme und mag es dynamisch eher gemächlich.